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13. An dich, der du sagst, dass du durch Zazen einen besseren Geiteszustand erreicht hast

Solange du sagst, dass Zazen eine gute Sache sei, stimmt da noch etwas nicht. Unbeflecktes Zazen ist überhaupt nichts Besonderes: Es ist noch nicht einmal nötig, sich dafür zu bedanken.
Wäre es nicht seltsam, wenn ein Säugling zur Mutter sagte: "Bitte haben Sie Verstädnis dafür, dass ich mir ständig in die Windeln scheiße!" - Ohne zu wissen, unbewußt, ist alles in Ordnung.
Wir dürfen unser Zazen nicht beschmutzen, indem wir sagen, dass wir weiter gekommen sind, uns besser fühlen oder sicherer durch Zazen geworden sind.

Wir sagen nur dann, dass es uns gut geht, wenn die Dinge alle so laufen, wie wir es uns vorstellen.

Wir sollten die ursprüngliche Natur einfach so lassen, wie sie ist, doch ständig planschen wir mit den Händen darin herum, um herauszufinden, wie kalt oder warm sie ist: So wird sie trübe.

Das Unangenehmste, was es gibt, ist den Buddhadharma zu beflecken. "Beflecken" bedeutet ein Gesicht wie ein Abteilungsleiter, Firmenchef oder Vorsitzender zu machen.
Dass die Flecken fortgewaschen werden, bedeutet "Einfachheit".

Es gibt Bodhisattvas "ohne magische Fähigkeiten": Das sind Bodhisattvas, die selbst Worte wie "Praxis" oder "Satori" ganz vergessen haben. Bodhisattvas ohne wunderbare Kräfte. Bodhisattvas, die sich nicht messen lassen. Bodhisattvas, denen es nicht um Rang und Namen geht.

Mit Zazen ist es nicht so wie mit einem Thermometer, auf dem allmählich die Temperatur ansteigt: "Noch ein klein bisschen...", "jetzt ist es so weit, ich habe Satori!"
Aus Zazen wird nichts Besonderes, solange du auch damit fortfährst. Wenn es zu etwas Besonderem wird, muss sich irgendwo eine Schraube bei dir gelockert haben.

Es gibt Kerle, die sich selbst auf ihr Zazen noch etwas einbilden: Sie glauben, dass die Temperatur auf ihrem Zen-Thermometer schon ziemlich hoch gestiegen ist. Doch das hat mit Zazen nichts zu tun.
Es einfach zu tun, bedeutet Zazen.
Das Gleiche gilt auch für Nenbutsu (die Anrufung des Namens Amithaba Buddhas): Wir praktizieren Nenbutsu nicht, um irgendwann einmal in's Paradies zu kommen. Wir tun es einfach, und das bedeutet, dass wir das Gleiche tun, das auch Buddha tut.

Wir können Zazen nicht anhamstern. Genauso hat auch Shinran Schluss gemacht mit dem "Nenbutsu", dass sich anhamstern lässt. Praxis, die sich anhamstern lässt, wird in der Shin-Schule als "Anstrengung aus eigener Kraft" abgelehnt.
"Als ich noch jung war, war ich so ehrlich, dass ich mich jetzt im Alter dafür entschieden habe, ab und zu einmal von den anderen etwas zu klauen..." - Wir können unsere Ehrlichkeit nicht derart "anhamstern".

Wenn wir nicht aufpassen, glauben wir noch, Buddhadharma bedeute, ein Treppe zu erklimmen, doch das ist nicht so: Dieser eine, gegenwärtige Schritt ist die eine Übung, die alle Übungen ist, und ist alle Übungen, die die eine Übung sind.

Der Geist des Hinayana herrscht da, wo zwischen "ich" und "anderen" unterschieden wird. Im Hinayana ist die "Befreiung" nur ein Fabrikat.

Du sagst, du seist "fertig" mit deiner Praxis - von einem religiösen Standpunkt aus gesehen gibt es nichts Alberneres als dieses "Fertig-Sein".

"Kastanienbäume und Gebete für ein besseres Leben nach dem Tod wachsen gern krumm."
Weil du glaubst, dass du etwas Gutes tust, wenn du Buddhas Namen anrufst, ist dir nicht zu helfen. Genau wie dem, der glaubt, "Satori" zu haben.
Deshalb sagt man in der Shin-Schule: "Reiß es in Stücke, reiß es in Stücke, reiß selbst den Geist, der in Stücke reißt, noch in Stücke!"

Das Satori des Buddhadharma muss die gesamte Zeit und den gesamten Raum, Himmel und Erde ausfüllen. Ein oder zwei "Satoris", die wir uns wie Äpfel oder Birnen pflücken, sind weniger als ein Furz wert.

Tust du etwas Gutes, so bleibst du stecken in dem Bewusstsein, etwas Gutes zu tun. Hast du ein "Satori", dann bleibst du in dem Bewusstsein, "Satori" zu haben, stecken.
Da ist es besser, von Gutem und "Satori" die Finger zu lassen. Du musst vollkommen offen und frei sein. Ruhe dich nicht auf irgendwelchen Lorbeeren aus!

Fixiere dich nicht unbesonnen auf einen Standpunkt.

Auch wenn ich all dies über den Buddhaweg sage, versuchen die Normalbürger doch noch, mit dem Buddhadharma ihren Wert als Menschen zu steigern.

Unnötig zu erwähnen, dass eine verkehrte "Praxis" zu einem verkehrten "Satori" führt.

Undenken bedeutet, mit dem Kalkulieren aufzuhören.

Beim Buddhadharma müssen wir genau verstehen, was Unbeflecktheit bedeutet. Es gibt da keine feste Grenze zwischen "Beflecktheit" und "Unbefleckheit".

Wenn es einen Gegensatz zwischen "Reinheit" und "Schmutz" gibt, führt das zu einem Streit zwischen "Reinheit" und "Schmutz". Wir müssen über "Reinheit" und "Schmutz" hinausgehen.

Zazen ist gut. Denn Zazen ist die Gestalt des großen Todes.



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