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15. An dich, der du mit deinem "Satori" hausieren gehst

Warum lässt du es dir nicht einfach über den ganzen Körper tätowieren?: "Ich habe Satori!"
Wenn du deines Magens nicht bewusst bist, ist das der Beweis eines gesunden Magens. Wenn du dein "Satori" nicht vergessen kannst, ist das der Beweis, dass du keins hast.

Wenn du glaubst, dass du etwas Besonderes bist, weil du "Satori" hast, gehst du nur mit einem Fleischsack (deinem Körper) hausieren.

Wenn ein Normalbürger "Satori" hat, nennt man ihn einen Zenteufel. Und zwar deshalb, weil er sich für ein besonderes Individuum hält.

Wenn von "Satori" die Rede ist, bedeutet das oft nur, dass ein Teufel magische Kräfte erworben hat.

Wenn du weißl;t, dass du etwas Schlechtes tust, dann ist es noch nicht so schlimm. Doch die, die da von ihrem "Satori" plaudern, halten das noch nicht einmal für etwas Schlechtes. Deshalb ist ihnen nicht zu helfen.

Da gibt es welche, die von ihrer ganzen Familie missbilligt werden, und die trotzdem glauben, dass sie allein im Recht sind. Wenn du glaubst, dass du allein im Recht bist, liegst du falsch.
Und wieviel mehr noch die Zenlaien, die sich mit ihrem "Satori" aufblähen, während sie zu Hause gehasst werden.

Keiner Illusion ist so schwer beizukommen wie dem "Satori".

Gon-yo Sonja (ein Schüler von Joshu) fragt Joshu: "Wie steht es, wenn kein einziges Ding mehr erscheint (das heißl;t: Ich bin bereits vollkommen eins mit der Leere und habe nichts mehr, an dem ich hafte, was sagtst du dazu)?"
Joshu antwortet: "Lass es los (Wirf es fort)!"
Gon-yo sagt: "Mir erscheint kein einziges Ding mehr, was soll ich da loslassen (das heißt: Da ich an nichts mehr hafte, was könnte ich da noch fortwerfen)?"
Joshu erwidert: "Wenn es so ist, trag' es fort auf deinen Schultern (Wenn du so sehr an deiner Losgelöstheit hängst, dann trage sie eben mit dir herum)!"

Wir dürfen uns mit unserer Praxis nicht in die Brust werfen. Es ist doch klar, dass das "Satori", mit dem sich einer in die Brust wirft, eine Lüge ist.

Oberflächliche Menschen merken nicht, dass sie etwas Falsches tun, solange sie nicht von der Polizei erwischt werden.
Normalbürger merken nicht einmal, dass sie in einer Illusion leben.

Du brauchst wache Sinne. Wirkliches Satori bedeutet sein ungeschminktes Gesicht zu zeigen. Es bedeutet, zu klaren Sinnen zu kommen. Je mehr du dich besinnst, desto genauer erkennst du auch deine Fehler.

Plötzliches großl;es Satori bedeutet den Zusammenbruch aller alten Vorstellungen: Wie zum Beispiel "Satori" oder "Illusion".

Wie sehr unterscheiden sich Illusion und Satori überhaupt? Tatsächlich ist es die gleiche Sache, über die wir uns Illusionen machen und zu der wir erwachen (Satori).

Satori bedeutet, dass der Buddhadharma zur Realität wird. Der Buddhismus ist eine seltsame Lehre, in der es heißl;t, dass alle Buddhas und alle leidenden Wesen von der selben Natur sind. Deshalb entspricht es nicht dem Buddhadharma, die Buddhas für etwas auf der anderen Seite zu halten.

Wenn wir nicht bis zu dem Ort vordringen, an dem es keine Kluft zwischen uns und Buddha - überhaupt nichts mehr gibt, dann werden wir anfangen zu zögern, müde werden und stecken bleiben.

Wo bist du wirklich zu Hause? Du hast keine Weggefährten: Wohin du auch blickst, kein anderer Mensch! Du musst an den Ort finden, den nur du und du allein erreichen kannst.

Dass die großl;e Sache lebenslanger Übung zum Ende kommt, bedeutet, dass der Buddhaweg zur Realität wird. Dass er sich uns einverleibt.

Satori bedeutet nicht das Ende der Illusion

Buddhadharma ist unfassbar: Wenn wir sagen, dass wir "Satori" haben, sind wir schon darüber hinausgeschossen. Wenn wir sagen, dass wir kein "Satori" haben, sind wir noch nicht ganz angekommen.

Großl;es Satori bedeutet Realität.

Es ist verkehrt, von Stufen der Praxis zu sprechen.
Praxis ist Satori.

Nur Zazen. Nur Nenbutsu (Anrufung des Namens von Amithaba Buddha). Dieses "nur" kommt dem Normalbüger nicht genug vor. Er will noch etwas für seine Praxis zurückbekommen.

Wichtig ist dieses "nur". Es einfach tun. Zu welchem Zweck? Zu keinem Zweck! Es gibt da kein Trinkgeld - nur Tun.

Ein Mönch fragt Ryuge: "Was haben die alten Meister ergriffen, das ihnen die Ruhe des Geistes verleiht?"
Ryuge sagt: "Es ist wie mit einem Dieb, der in ein leeres Haus einbricht."
Wenn ein Dieb in ein leeres Haus einbricht, braucht er nichts zu stehlen. Er braucht sich auch nicht davonzumachen. Da ist niemand, der ihn jagen würde. Überhaupt nichts. Wir müssen uns dieses "da ist überhaupt nichts" gut vergewissern.

Satori ist wie ein Dieb, der in ein leeres Haus einbricht. Er bricht ein, doch da gibt es nichts zu klauen. Kein Grund zu fliehen. Niemand, der ihn jagt. Deshalb ist da auch nichts, was zufrieden stellen würde.

"Satori" - du solltest nicht mit einem so abgegriffenen Wort herumhantieren.

Du redest von "Satori", aber was du da für "Satori" hälst, ist furchtbar klein. Es ist ein Bewusstseinsproblem: Erweitert sich dein Bewusstsein ein wenig, dann wirst du erkennen, dass da gar nichts ist.

Satori findest du überall auf der Welt, so wie die Luft, die wir täglich atmen. Wir bekommen "Satori" nicht in der Zukunft.

Shakyamuni Buddha behauptet nirgends, dass er allein Satori hat. Er sagt, dass alle Lebewesen gemeinsam den Weg verwirklichen.
Doch so ein kollektives Satori ist den Menschen nicht genug. Jeder will sein individuelles Satori, seine individuelle Belohnung. Das heißl;t, jedem geht es nur um sich selbst.

Manchmal flehen mich Leute an, ihr Verständnis des Dharma für richtig zu erklären. Solange du andere nach ihrem Einverständnis fragen musst, bist du nicht echt. Doch da gibt es welche, die glauben "Satori" zu haben, weil ein anderer ihnen eine Urkunde dafür gegeben hat.
Wenn du selbst an den Ort gelangt bist, um den es geht, wozu andere noch nach der Richtung fragen?

Du hörst, dass Wein betrunken macht, und nun spielst du einen Betrunkenen und glaubst, dass du tatsächlich Wein getrunken hast. Das ist auch so eine Form von "Satori".

"Satori" wird zur Technik - Buddhadharma und glaubender Geist sind keine Technik.

Ohne Eigenarten zu praktizieren bedeutet, wie ein Kind zu spielen. Es ist falsch, "Satori" zu einer Eigenart machen zu wollen.

Satori ist nichts Mühsames. Es bedeutet, natürlich zu werden.

Natürlich sein - da bleibt uns nichts mehr, als Zazen zu üben .


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