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16. An dich, der du beeindruckt vom Fortschritt der Wissenschaft und Kultur bist

Wir dürfen nicht vergessen, dass sich die gegenwärtige Wissenschaft und Kultur nur auf der Grundlage unserer niedrigsten Triebe entwickelt haben.

Alles redet von Kultur, aber was ist das schon mehr als eine Verfeinerung unserer Triebe?

Wie sehr wir die Falten unserer Triebe auch ausbügeln mögen, vom Buddhismus aus gesehen hat das mit Fortschritt oder Zivilisation nichts zu tun. Alles redet heutzutage vom Fortschritt, doch ich frage mich, in welche Richtung wir eigentlich fortschreiten.

Alles redet heute von Kultur, doch was ist das eigentlich für eine Kultur? Profane Musik, erotische Tänze, pornographische Literatur - das reinste Barbarentum. Wir stacheln unsere Triebe an, und dann beschweren wir uns über die Jugend heutzutage: "Wer kümmert sich eigentlich noch um Erziehung?"
Glaube bedeutet Klarheit und Reinheit - er bedeutet zur Ruhe zu kommen.

Alles redet von Kunst, doch was ist schon dabei? Männer und Frauen aneinander festgesaugt. Was ist das mehr als eine Stimulation unseres Sexualtriebs.

Keine Kreatur ist so unehrlich wie die Menschen. Sie fressen ihre Partysnacks und tanzen im Kreis. Sie forschen für die Wissenschaft und beschießen sich mit Wasserstoffbomben.

Wenn du Insekten in einer Kiste beobachtest, siehst du, wie sie sich mit Leibeskräften aneinander festbeißen. Wie amüsant müßte es doch sein, die Menschen aus einer Ecke des Universums dabei zu beobachten, wie sie mit Atom- und Wasserstoffbomben aufrüsten.

Sich klug aufzuspielen und dabei zum größten Idioten zu werden, ist das Schicksal des Menschen.

Menschen lieben es kompliziert. Obwohl die Dinge schon kompliziert genug werden, selbst wenn wir versuchen, sie so einfach so möglich zu halten, gibt es noch Genossen, die sich anstrengen, alles extra kompliziert zu machen.

Die moderne Welt bietet ihre gesamte Weisheit auf, nur um in eine Sackgasse zu rennen.

Weisheit bedeutet, über eine gründlich fundierte Urteilskraft zu verfügen.

Die Menschen von früher waren auch Idioten: Sie verschwendeten ein Vermögen von Geld und Anstrengungen, um Burgen zu bauen, und wozu das Ganze? Um sich zu zanken.
Heute sind die Leute noch dümmer: Sie bauen Atom- und Wasserstoffbomben, um die Menschheit mit einem Knopfdruck auszulöschen.

Wie kommt es, dass die Menschheit an sich, gemessen am wissenschaftlichen Fortschritt, überhaupt nicht fortgeschritten ist?

Die Amerikaner sind nur Normalbürger, die Russen sind Normalbürger, die Chinesen ebenfalls Normalbürger. Normalbürger, die verzweifelt mit Normalbürgern wetteifern.
So groß auch das Volumen sein mag, wenn man Kalk aufhäuft, ist es doch nur Kalk.

Wissenschaft kann auf den Ergebnissen anderer aufbauen, daher schreitet sie ständig fort. Doch die Menschen selbst können nicht auf das Leben anderer aufbauen, daher schreiten sie nicht fort. Deshalb sehen wir überall hilflose Grünschnäbel mit tötlichen Waffen umherfuchteln - und das ist gefährlich!

Ein Idiot sitzt am Computer, ein Schwachkopf im Cockpit des Düsenfliegers, ein Irrer am Schaltbrett der Atomraketen - das ist unser gegenwärtiges Problem.

Im Buddhadharma können wir nicht vom Erbe anderer leben. Dass die Wissenschaft fortschreitet, liegt daran, dass sie auf das Erbe vorangegangener Generationen aufbauen kann. Im Buddhadharma geht es umgekehrt darum, mit dieser Einstellung, sich mit dem Erbe anderer durchschlagen zu wollen, schlußzumachen.

Mit Atom- und Wasserstoffbomben können wir vielleicht unsere Freunde retten, doch nicht unsere Feinde. Nur Zazen vermag es, sowohl Freunde als auch Feinde zu retten.

Alles sorgt sich um die Menschheit, dabei geht es darum, dieser Menschheit einmal den Hals umzudrehen und alle zu Buddhas zu machen.

Was den Menschen dient führt nur in die Sackgasse. Die Menschen handeln über den Marktwert einer Sache, doch auf diesen Marktwert ist kein Verlass. Dinge, über deren Marktwert gestritten wird, sind "praktische Waren". Es sind Fabrikate. Buddha ist kein Fabrikat.

Das chinesische Schriftzeichen für "Falschheit" bedeutet: "Dem Menschen dienen". Heutzutage hält man Kultur für das, was dem Menschen dient.
Die fabrizierte Welt ändert sich stets. Kultur bedeutet nicht mehr als die Fortentwicklung der Fabrikation. Deshalb ist Kultur eine Tragödie.
Worauf können wir uns immer verlassen, wohin wir auch gehen? Nur auf das Leben selbst, das in allen Richtungen unbegrenzt ist.

Die Erfindungen und Ideen der Europäer sind alles Spielereien, die mit dem Leben selbst nichts zu tun haben.

Wenn wir Marx und Engels in Ruhe lesen, stellen wir fest, dass es dabei nur um die Aufteilung der Beute geht.

Selbst wenn die ganze Menschheit kommunistisch würde, hätten wir doch nur ein endloses Gezanke, solange nicht jeder Einzelne von uns wirkliche Freiheit erreicht. Solange nicht jeder Einzelne wirklich frei ist, kann auch nicht jeder Einzelne zu wirklicher Zufriedenheit gelangen.


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