... Kapitel 18 ....... Inhaltsverzeichnis ...


17. An dich, der du sagst, dass du mit den anderen nicht auskommst

Alle reden von ihrer eigenen Meinung, doch wen interessiert die schon?
Halt besser einfach die Klappe!

Da sagen manche: "Für wen hälst du mich eigentlich?!"
Für einen Normalbürger, was sonst? Manche bilden sich etwas auf ihren Reichtum ein, andere auf ihren Rang und Namen, wieder andere auf ihr Satori. Wie dumm die Leute heutzutage sind, ihr Normalbürgertum so zur Schau zu stellen.

Menschen haben immer etwas, was sie nicht vergessen können. Sind sie reich, dann halten sie sich auch für reich. Sind die intelligent, dann halten sie sich auch für intelligent. Sind sie geschickt, dann halten sie sich für geschickt. Und das drängt sich dann ständig in den Vordergrund und stört da.

Weil wir uns nur um diesen einen Fleischsack (unseren Körper) Sorgen machen, halten wir uns für reich oder schön oder was auch immer. Doch wenn wir sterben ist alles Eins. Da gibt es dann kein Privateigentum mehr.

Wir versuchen unser "Ich" voranzubringen. Die Frage ist nur, wie viele Jahre wir damit durchhalten. Wenn wir sterben, wird unser Körper zur bloßen Ware.

Der selbe Mond erscheint mal als lachender, mal als weinender Mond. Oder wir bewundern ihn einfach bei einem Glas Reiswein... Welchen Mond ein Mensch auch betrachtet, er sieht nur, was seiner karmischen Wahrnehmung entspricht. Nichts davon ist wirklich.

Die selbe Zeitung wird von allen anders gelesen: Einer sucht zuerst nach den Aktienkursen, ein anderer liest den Sportteil zuerst. Einer greift nach dem Fortsetzungsroman, während ein anderer sich zuerst für die Politik interessiert. Alle sind sie verschieden, so sehr unterscheiden sie sich in ihren menschlichen Gedanken. Sie differieren so sehr, weil sie sich in ihrem jeweiligen unterscheidenden Bewusstsein verirren.
Nur außerhalb dieses unterscheidenden Bewusstseins offenbart sich die Welt, die von allen geteilt wird. Denn diese Welt haben sich die Menschen nicht ausgedacht, sie entspricht nicht ihren persönlichen Standpunkten.
Je mehr die Menschen nachdenken, desto mehr täuschen sie sich.

Du sagst: "Ich habe es mit eigenen Augen gesehen!"
Nichts ist so unzuverlässig wie die eigenen Augen. Es sind bloß die Augen eines Normalbürgers.

Du täuscht dich, wenn du glaubst, dass die Welt, so wie du sie gerade siehst, Realität ist. Jeder sieht nur, was seiner persönlichen karmischen Wahrnehmung entspricht. Ein Kater sieht etwas anderes als ich, und worüber denkt erst eine Bazille nach, die nur ein Tausendstel einer Klofliege wiegt? Sicher nicht über das selbe wie ich. Die Bazille und ich haben eine andere Welt- und Lebensanschauung.
Die wirkliche Welt erscheint erst dann, wenn wir mit all diesen karmischen Anschauungen Schluss gemacht haben.

Die Köpfe der Menschen sind alle erstarrt. Jeder Ismus ist eine Art von Erstarrung. Dass wir den Buddhadharma nicht erkennen, so nah wir ihm auch sind, liegt an dieser Erstarrung.

Du kreischt: "Frieden, Frieden!", doch wenn du nur still wärest, wäre es so viel friedlicher.
Du sagst: "Meiner Meinung nach..." - und wenn erst Meinungen und Theoriengebäude in's Spiel kommen, fängt das Gezanke an.

Die Menschen lassen sich von den Gesetzen ihrer Zeit an der Nase herumführen, wenn sie glauben, dass es Gut und Schlecht gibt. Doch früher war Blutrache legal, heute ist sie illegal. Früher war Ehebruch illegal, heute ist er legal.

Wir glauben, dass es Gutes und Schlechtes, Angenehmes und Unangenehmes, Richtiges und Falsches - stets zwei Seiten gibt. Doch gibt es wirklich zwei Seiten? Nein, die Wirklichkeit ist nur eine einzige. Und selbst die ist noch leer.

Es gibt keine zwei Dinge im Universum.
Wenn wir deshalb Angenehmes und Unangenehmes, Gutes und Schlechtes, Richtiges und Falsches sehen, dann liegt das nur an unserer persönlichen karmischen Wahrnehmung. Und alle unterscheiden sich dann, je nach ihren Standpunkten.

Alle unterscheiden sich in ihrer karmischen Wahrnehmung. Glück und Unglück, Freude und Leid, das ist alles nicht mehr als karmische Wahrnehmung und unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Das Problem ist, dass alle nur das für wirklich halten, was sie selbst sehen.
Die Oma predigt den Enkelkindern, was sie für wahr hält, aber daran ist überhaupt nichts wahr.

Wenn du den Mund aufmachst, stellst du nur deine Illusionen zur Schau. Du redest auf Grund deines Karmas und deiner Illusionen. Der Geist des Idioten ist sein Mund, der Mund des Weisen ist sein Geist.

Die Menschen müssen nur natürlich sein, doch sie versuchen, auch diese Natürlichkeit noch in einen Rahmen zu quetschen.
Und weil alle ihren eigen Rahmen haben, kommt es zu keiner Einigkeit.

Alle haben ihr eigenes Bewusstsein. Niemandes Bewusstsein ist gleich. Es ist vollkommen individuell und verschieden.

Das "Selbst" ist nichts Fixes: "Mein Geist ist so und so..." - so einen Geist gibt es nicht. Wäre ich nicht zufällig Zenmönch geworden, dann würde ich jetzt wahrscheinlich nicht über den Buddhadharma sprechen. Wahrscheinlich wäre ich jetzt ein Ganovenboss, der nicht mehr zu sagen hätte als: "Ich nehme dir noch die Eingeweide aus, du Schweinehund!"

Seit den Anfängen der Menschheitsgeschichte hat das Gezanke kein Ende. Die größten Kriege haben ihre Ursache im Geist des Zanks.
Krieg ist die übertriebenste Form, Menschen umzubringen.

So wie eine Fliege Bakterien überträgt, so überträgt der Krieg Epidemien und Kultur.

So wohl hier als auch dort sind nur Normalbürger (Nach der Verfassung der 17 Artikel von Shotoku Taishi). Da es doch nur Normalbürger sind, die sich bekriegen, sind sie alle im Unrecht, sowohl Freund als auch Feind. Gewinner wie Verlierer sind doch beides nur Normalbürger. Wie traurig, sich die Konflikte in der Welt anzusehen: Da fehlt es an gesundem Verstand. Ein Hitzkopf schwingt ein Schwert, ein anderer ballert mit dem Gewehr.

Die Welt wird vom Karma herumgewirbelt. Karma entsteht, weil wir aus Ignoranz heraus handeln.

Ein plötzlicher Regenschauer inmitten des Streites über die Bewässerung der Reisfelder:
Da es bei dem Streit um nichts als die Bewässerung der Felder geht, löst ein Regen alle Probleme. Eine schöne Frau und ein Schwammkürbis - wie unterscheiden sie sich schon, wenn sie erst achtzig sind? Ursprünglich ist alles leer und klar.


... Kapitel 18 ....... Inhaltsverzeichnis ...