... Kapitel 22 ....... Inhaltsverzeichnis ...


21. An dich, dem es an Geld, Liebe und Rang und Namen fehlt

Himmel und Erde geben, die Luft gibt, das Wasser gibt, die Pflanzen geben, die Tiere geben, die Menschen geben. Alle geben sich gegenseitig von sich selbst. Wir können nur in diesem gegenseitigen Geben überleben. Ganz gleich, ob wir dafür dankbar sind oder nicht.
Himmel und Erde geben, die Luft gibt, das Wasser gibt, die Pflanzen geben, die Tiere geben, die Menschen geben. Alle geben sich gegenseitig von sich selbst. Wir können nur in diesem gegenseitigen Geben überleben. Ganz gleich, ob wir dafür dankbar sind oder nicht.

Es gibt nichts, worüber wir uns beklagen müssten.

Es ist niemandes eigenes Verdienst, in diese Welt geboren worden zu sein. Es lebt auch keiner von und aus eigener Kraft. Und dennoch sorgen wir uns alle nur um den eigenen Geldbeutel.

Dummheit bedeutet nicht von dem eigenen Leib absehen zu können. Weisheit sagt: "Ich bin die ich bin, egal wie sich die Dinge wenden."

Ein Heide, wer nur über Gewinn und Verlust nachdenkt.
Ein Teufel, wer Profit daraus schlägt.

Wie langweilig, sich mit bedrücktem Gesicht darüber zu beklagen, kein Geld zu haben, nichts zu essen zu haben, in Schulden zu stecken. Nur weil du glaubst, dass du das Leben genießen und dich stets gut fühlen solltest, meckerst du ungeduldig über deine Armut herum.

Während des Krieges besuchte ich einmal ein Kohlebergwerk. Mit der selben Arbeitskleidung und Kopflampe wie die Bergarbeiter ausgestattet bestieg ich den Fahrstuhl. Ab ging es hinunter! Während wir tiefer und tiefer hinab fuhren, kam es mir auf einmal so vor, als ob wir plötzlich wieder nach oben führen. Doch als ich mit der Lampe in den Schacht leuchtete, sah ich, dass wir noch immer hinabfuhren.
Am Anfang, wenn der Fahrstuhl abwärts beschleunigt, kommt es einem auch so vor, als ob man runter fährt. Doch wenn sich die Geschwindigkeit erst einpendelt, erscheint es einem dann, als ob man umgekehrt wieder hinauf führe.
Genauso täuschen wir uns auch ständig, wenn wir bei der Kalkulation unseres Lebens das Schwanken der Zahlen mit der Summe selbst verwechseln.

Zu sagen, man habe Satori gehabt, ist nur eine Kalkulation der Differenz der Zahlen. Zu sagen, man habe sich geirrt, eine andere. Zu sagen, es sei gut, ist eine Kalkulation der Differenz. Zu sagen, es sei schlecht, eine andere. Reichtum ist eine Kalkulation, Armut eine andere.

Es versteht sich von selbst, dass ein Armer weniger unter seiner Armut leidet als der, der bis eben noch reich war.

Illusion bedeutet den Ernst der Lage nicht abschätzen zu können.

Du sagst, dass du nichts zu essen hast, obwohl du eigentlich gar nicht so hungrig bist. Aber das allein macht dich hungrig. Die Worte bereiten dir Alpdrücke. Alles macht einen Tumult um Worte.

Ich habe meinem Papagei begebracht zu sagen: "Mir geht's gut!" Eines Tages fiel die Lampe um und alles fing Feuer. Mit den Flügeln um sich schlagend rief mein Papagei seine letzten Worte: "Mir geht's gut, mir geht's gut!"

Ständig werden wir von unserem eigenen Leib und Geist an der Nase herumgeführt, und wir merken noch nicht einmal etwas davon.

In der vergänglichen Welt versuchen wir überall, mit unserem Namen weiterzukommen.
Doch sind wir nicht alle nackt geboren worden? Erst danach bekamen wir unseren Namen, unseren Strampelanzug, unsere Brust...
Und nachdem wir groß geworden sind, berufen wir uns plötzlich auf unsere Wichtigkeit, Stärke, Intelligenz, Reichtum - nur um uns einen Namen zu machen. Dabei sind wir doch bloß nackt.

Was die ganze Welt treibt, ist wie das Ausmessen einer Fata Morgana. Oder wie das Errichten von Palästen aus arktischem Eis. Zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort, schmilzt es dahin.

Höllenbewohner, hungrige Geister, Tiere, kämpfende Dämonen, Menschen, Himmelswesen - die Bewohner all dieser sechs Welten richten sich nur nach dem Maßstab ihres Blutandrangs. Wenn sich der Blutandrang erst einmal gelegt hat, ist das ein Buddha.

Das gute und schlechte Karma der Vergangenheit erscheint in der Gegenwart als karmische Wahrnehmung.
Da wir alles durch diese karmische Wahrnehmung hindurch betrachten, kommt uns die Welt mal wie eine Dämonenwelt, mal wie eine Bestienwelt, mal wie eine Höllenwelt vor.
Dabei betrachten wir doch nur ein und dieselbe Ware. Jeder schläft im Bett der Buddhanatur und träumt nur von seiner Illusion.

Amithaba Buddha sagt: "Alles ist gut wie es ist. Es gibt kein einziges verirrtes Wesen. Kein Grund zur Hektik."
Doch die verirrten Wesen heulen: "Nein, so geht es nicht!"

Bodhigeist bedeutet ich selbst zu vergessen für die anderen. Sich selbst zu Liebe die anderen zu vergessen bedeutet, keinen Bodhigeist zu haben.

Satori bedeutet, zu verlieren. Illusion bedeutet, zu gewinnen.

Der Unterschied zwischen sich selbst und den anderen verschwindet erst, wenn du dich selbst völlig aufgibst für die anderen. Das bedeutet "die anderen hinüberzuretten bevor man selbst gerettet wird."

Nichts selbst zu begehren, das ist die größte Gabe, die man dem Universum machen kann.

Die Aussicht, die sich in einer Welt bietet, in der gegeben wird, ohne dass man danach fordern muss, ist frisch und klar, weit und unbegrenzt, ganz anders als die Aussicht in der Welt des An-Sich-Raffens.

Der Grund, weshalb Buddha viele verschiedene Gestalten annimmmt, ist, dass er aus Güte viele verschieden gestaltete Tränen vergießt.

Buddhas Güte ist verschieden von bloßem Mitleid. Seine Güte gibt uns einen Ort, aus dem wir nicht herausfallen können, so sehr wir auch stolpern mögen.

Großer Geist bedeutet Buddhageist. 24 Stunden täglich leben, ohne sich an ein einziges Ding zu klammern. Nicht an den Abmachungen der Welt hängen.


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