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22. An dich, der du dir wünscht, ein ein wenig fröhlicheres Leben zu führen

"Weile für eine Weile, und alles wird schön" - wir müssen nur eine kleine Pause machen. Buddha zu sein bedeutet, eine kleine Pause vom Mensch-Sein zu machen. Buddha zu sein bedeutet nicht, sich als Mensch hochzuarbeiten.

Was Ryokan so erfrischend macht, ist, dass er die Dinge nicht begrabscht.

Menschen folgen in allem ihren Gefühlen von Freude, Ärger, Trauer und Behaglichkeit. Doch das ist etwas anderes als der alltägliche Geist. Alltäglicher Geist heißt das "Schießen einstellen". Ohne Vorlieben, ohne Animositäten, ohne Gewinner und Verlierer, ohne Gut und Böse, ohne Entzücken und Schmerz: Das bedeutet alltäglicher Geist.

"Was für ein Mensch steht auf dem Boden, auf dem es weder Kommen noch Gehen gibt?"
Kyuho antwortet: "Das Schaf aus Stein gegen den Tiger aus Stein: Über kurz oder lang werden sie müde werden, sich in die Augen zu starren."
Das steinerne Schaf wird nicht zittern. Der steinerne Tiger wird es nicht vor Hunger anspringen. Hier liegt der Punkt: Den Dingen jenseits des Denkens zu begegnen.

Was haben wir, wenn wir die Dinge, so wie sie sind, wirklich in den Griff bekommen?
Das Undenken.
Das Undenken lässt sich nicht Denken. Egal ob du so denkst oder ob du nicht so denkst: Die Dinge sind einfach so wie sie sind.

"Alles ist leer" bedeutet, gegen nichts anzurennen, denn da ist überhaupt nichts los. Dass wir glauben, da sei etwas los, liegt daran, dass wir von etwas berauscht sind.

Dass stets überhaupt nichts los ist, was auch immer passiert, ist der natürliche Zustand. Irre bedeutet, diesen natürlichen Zustand zu verlieren. Gewöhnlich erkennen wir den natürlichen Zustand nicht. Gewöhnlich stülpen wir noch etwas über ihn darüber, deshalb ist er nicht mehr natürlich.

Buddhalehre bedeutet den natürlichen Zustand. Doch in der Welt ist alles unnatürlich. Sich durchsetzen, unterliegen, alles ausdiskutieren müssen - das ist nicht natürlich.

Wichtig ist, nicht zu verlieren und nicht zu gewinnen. Im Sieg den Weg nicht verlieren, in der Niederlage den Weg nicht verlieren. Doch die Leute von heute kommen ganz aus dem Häuschen, wenn sie gewinnen, und verlieren den Weg. Und wenn sie verlieren, verlieren sie ihn sowieso. Wenn sie Geld haben, verlieren sie den Weg, und ohne Geld verlieren sie ihn auch.

"Wenn du auf diese Weise das tust, bekommst du jenes Resultat" - so geht es in der Welt zu, aber nicht in der Buddhalehre. "Sich der Menschen anzunehmen, ist etwas was nicht nur andere betrifft: Ich habe ja selbst Kinder zu Hause. Wenn ich mich jetzt um die kümmere, können die sich später mal auch um mich kümmern." - Das ist die Logik der Welt. "Einfach das tun, was überhaupt nichts bringt" - das ist nicht so einfach. Dies zu praktizieren, bedeutet Körper und Geist loszulassen, bedeutet den losgelassenen Körper und Geist.

"Auf den Vulkan steigen, sich in die Glut werfen" - das bedeutet, die Täuschung vom eigenständigen Bewusstsein entschlossen von dir zu werfen.

Schlägereien und Mädchen abschleppen: So rauhe Dinge gehören natürlich auch zu den täuschenden Begierden, doch das wirkliche Problem sind nicht diese rauhen sondern viel feinere Begierden.
Wir müssen uns auf die Details konzentrieren.

"Der Geist eins mit den Dingen, so wie sie sind" - wir dürfen an nichts kleben.
Wir müssen offen sein. Wo ursprünglich kein einziges Ding ist, soll kein einziges Ding sein, ganz ursprünglich.

Was es ursprünglich nicht gibt, können wir in beliebiger Menge besitzen: Wo nicht ein einziges Ding ist, ist alles darin enthalten.

Es gibt viele Lehren. Doch sag es nicht so leicht dahin: Denn es gibt wirklich alles.

"Leere" bedeutet "alles und jedes".

Jedes noch so kleine Kartöffelchen hat mit dir zu tun. Jede einzelne Teetasse betrifft dich selbst.

Wirkliche Leere ist die Leere, die nicht einmal "Leere" genannt wird.

Wenn du vom Himmel sprichst, quetscht du den Himmel in einen Rahmen. Der wahre Gott ist der Gott, der Gott vergessen hat, der sogar aufgehört hat, Gott zu sein.

Es heißt, Gott habe keinen direkten Namen. Wir können ihm aber einen geben.

Das, was das ganze Universum füllt, in jedem einzelnen Augenblick an jedes einzelne Ding hinzugeben, bedeutet Samadhi.

In der Buddhalehre gibt es kein Eines, das nur das Eine ist. Es gibt auch kein Sein, das nur das Sein ist. Und kein Nichts, das nur das Nichts ist. In der Buddhalehre ist das Eine alles, und alles das Eine. Das Sein ist das Nichts, und das Nichts ist das Sein.

Da fragte mal einer einen Mathematiker, ob es die "Eins" wirklich gäbe. Die Antwort war, dass die Mathematik tatsächlich "nur davon ausgeht", dass es die "Eins" gibt.
Im Buddhismus gibt es keine "Eins". Es heißt: "Zwei gibt es auf Grund der Eins, doch halte auch an der Eins nicht fest."
Eins ist alles, alles ist Eins.

"So wie es ist" bedeutet, dass das gesamte Universum vollkommen in Ordnung ist.

Jeder Ort füllt Himmel und Erde aus, jeder Augenblick ist ewig.

Die Übung des Buddhaweges bedeutet, den einen wunderbaren Augenblick, den unser Leben darstellt, stets in diesem Moment zum Leben zu bringen.

Übung ist nichts, was du aufhäufen könntest. Es gibt dabei auch keinerlei Werkzeuge. Jeder Aspekt des täglichen Lebens muss Buddha-Praxis sein. Es ist nicht gut, das Essen schnell herunterzuschlingen, um dann Zazen zu üben. Wir essen aber auch nicht, um zu arbeiten. Iss einfach auf natürliche Art. Zur Essenszeit: Einfach essen. Essen ist Übung.

Sag nicht so komische Sachen wie "Erlösung der leidenden Wesen" oder "religiöse Übung". Solange alles was du mit Händen und Füßen tust aus einer konsequenten Einstellung entspringt, ist es in Ordnung.

Menzan sagt, dass "An-raku" ("Friede und Glück") Freude, Vergnügen und Ruhe bedeute. "An-raku" bedeutet, konsequent bis ans Ende zu gehen. Die Dinge direkt zu tun, bedeutet "An-raku", bedeutet Ruhe.

Solange du dein Scheckbuch in der Hand hälst, befindest du dich nicht in der Buddhalehre. Du musst mit leeren Händen in die Heimat zurückkehren. Wenn deine Hände nicht leer sind, hängst du am Laster. Die Essenz der Buddhalehre ist, sich ohne irgendein Scheckbuch auf den Weg zu machen.

Sich um nichts zu reißen bedeutet die Vergänglichkeit zu erkennen.

Du redest laut von der Realität daher, doch die Realität ist nichts Fixes. Alles ist vergänglich.

"Der vergangene Geist lässt sich nicht greifen, der gegenwärtige Geist lässt sich nicht greifen, der zuküftige Geist lässt sich nicht greifen" (Diamant-Sutra) bedeutet: Wo ist die Vergangenheit? Wo ist die Gegenwart? Wo ist die Zukunft? "Der vergangene Geist lässt sich nicht greifen" bedeutet, dass die Vergangenheit schon vergangen und also nicht mehr ist. "Der gegenwärtige Geist lässt sich nicht greifen" bedeutet, dass die Gegenwart nie still stehen bleibt. "Der zukünftige Geist lässt sich nicht greifen" bedeutet, dass die Zukunft noch nicht gekommen ist.
Kurzum: Es bedeutet Unbeständigkeit.

Was ist der Grund der Gestaltlosigkeit?
Es gibt nichts, was nicht auf Grund der Gestaltlosigkeit bestünde. Doch wenn wir versuchen, die Gestaltlosigkeit festzumachen, wird sie zur Gestalthaftigkeit. Gestaltlosigkeit bedeutet den Dingen nicht nach- und nicht davonzulaufen.

Alle stolpern sie in der Irre und heulen, lachen, ärgern oder freuen sich, beglückwünschen sich oder sind trotzig. Wenn wir aufhören zu stolpern ist da nichts weiter.
Dafür müssen wir unseren Kopf massieren, entkrampft sein, um die Dinge zu sehen ohne uns zu versehen.

Wenn deine Kopfhaut so dick wie eine Pampelmusenschale ist, dringt nichts durch. Wenn dein Kopf so simpel ist wie der eines Soldaten, fehlt dir die Flexibilität. Dein Kopf muss alles fassen: Das gesamte Universum. Das bedeutet "unübertroffener Weg".

Auch wenn wir sagen, dass es genüge, Zazen zu üben, müssen wir doch essen, wenn wir hungrig sind. Und wenn uns das Geld ausgeht, müssen wir Betteln gehen. Doch wenn wir nicht aufpassen, machen wir daraus eine Routine. Doch wie gut es auch sein mag, was wir tun, sobald es zur Routine wird, taugt es nichts mehr.Wir dürfen an nichts festhalten. Es ist eine Frage von Freiheit und Unabhängigkeit.

Der Buddhaweg darf in keinen Rahmen gefügt werden.

Wer keine Unterschiede kennt, ist ein Idiot.
Wem die Unterschiede keine Ruhe lassen, der ist ein Normalbürger.

Meine gute Seite ist, dass ich immer zum Laufburschen Saikichi zurückkehren kann, der ich als kleiner Junge war. Wenn ich gerade beim Aufbruch zur Reise bin und da kommt noch einer an mit einem Stapel von Papier auf das ich meine Kalligraphien pinseln soll - da werde ich schon mal wütend, doch dann lege ich los wie seiner Zeit als Laufbursche Saikichi, als ich mich immer über eine Bestellung mehr freute. Wenn ich damals von einem langen Tag ohne Geld und ohne Bestellungen zurück kam, zitterte ich vor Angst vor der hysterischen Alten, die zu Hause wartete. Als Saikichi freute ich mich über jede Bestellung, selbst wenn ich selbst nichts im Magen hatte.


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