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23. An dich, der du sagtst, dass Ärzte und Bonzen eine gute Konjunktur haben

Otani Kubutsu war während der Taisho-Periode bekannt dafür, dass er einmal einer Geisha ein Trinkgeld von zehntausend Yen gegeben hat. Ausserdem hat er das Haiku "Wie kann ich nur bestehen angesichts der neunzig Jahre die sich der Patriarch in Papier kleidete?" verfasst. Das Haiku ist gut, aber ist das das, was man von einem, der einer Geisha zehntausend Yen als Trinkgeld gibt, erwartet?

Sowohl der Kinkakuji als auch die goldene Halle im Horyuji sind nicht für die Übung von Mönchen bestimmt. An solchen Orten können sich Bonzen mit Faulenzen ihre Brötchen verdienen.

Wofür sind der Todaiji und der Horyuji und all die anderen Tempel gebaut worden? Letztendlich nur um sich darin Taugenichtse als Bonzen zu halten. Kein Wunder also, wenn es Bonzen gibt, die den Kinkakuji oder Enryakuji in Brand setzen. Das Gleiche gilt auch für den Ginkakuji.

Im ersten Jahr der Meiji-Periode wurde die fünfstufige Pagode des Horyuji für fünfzig Yen zum Verkauf angeboten, doch es fand sich schließlich kein Interessent dafür. Für die fünfstufige Pagode des Kofukuji fand sich für dreißig Yen ein Käufer, aber der wollte sie einfach nur abbrennen, um das Gold herauszuholen. Als sie ihm sagten, "Wenn du das tust, brennt uns noch die ganze Stadt Nara ab!" meinte er "Scheiß drauf", und nur so blieb die Pagode bis heute verschont. Der Marktwert solcher Dinge ändert sich. An Dingen, deren Marktwert sich ändert, ist nichts Großes dran. Wir können auch ohne sie auskommen. Es gibt Wichtigeres. Zazen ist das, worauf es ankommt.

Veraltete Ansichten: Was die Erwachsenen den Kindern predigen, sind oft nichts als veraltete Ansichten. Die Ansichten, dass "Gutes gut" und "Schlechtes schlecht" ist, haben ihre besten Tage längst hinter sich. Auch beim Gemüse wird das, was einmal essbar war, ungenießbar, wenn es seine besten Tage hinter sich hat. Wir müssen die Dinge stets aus einem frischen Blickwinkel betrachten. "Das ist eine wichtige Sache!" - was ist eine wichtige Sache? Es gibt überhaupt keine so wichtigen Sachen. Wenn wir sterben, müssen wir alles zurücklassen. Die Kulturgüter und "Schätze der Nation" in Nara oder Kyoto werden früher oder später verloren gehen.
Wir könnten sie auch gleich in Brand stecken!

"Juji" (Wörtlich: "Wohnen und Bewahren", Bezeichnung für einen buddhistischen Tempelpriester) bedeutet ursprünglich, in der Buddhalehre zu weilen und Verantwortung für sie zu übernehmen. Das heißt mit anderen Worten, sich der Buddhalehre zu verpflichten. Doch heute scheint "Juji" zu bedeuten, sich an einem Tempel festzubeißen und sich davon zu ernähren - im Tempel zu weilen und sich lediglich um den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen.

In letzter Zeit gibt es in Kyoto Tempel, die Pensionen oder Hotels betreiben. Komisch, unter den Menschen gibt es Kerle, die an nichts als Geld und Fressen denken können.

Dass Bonzen, die Geld anhäufen, lasterhaft sind, versteht sich von selbst. In alten Zeiten sagte Takeda Shingen: "Die Leute sind mein Schloss." So verzichtete er im Hinblick auf sein Volk darauf, ein Schloss zu bauen, und wurde dennoch nicht von den Nachbar-Fürstentümern angegriffen. Während Katsuyoris Regierungszeit wurde dann ein großartiges Schloss gebaut, nur um von Ieyasu zerstört zu werden. Wenn Bonzen es nötig haben, Geld anzuhäufen, bedeutet das, dass sie um so mehr Blössen zu verbergen haben.

Ein Bonze sollte stolz darauf sein, kein Geld zu haben.
Als Ryokan starb, kam das Gerücht von Ersparnissen auf. Da widersprach einer: "Das stimmt nicht - hier seht euch doch das Rechnungsbuch bis zu seiner Todesstunde an!" Damit hat er Ryokan verteidigt. Also bedeutet es eine Schande für einen Bonzen, Geld zu besitzen.

Hat Ryokan Geld hinterlassen als er starb, oder nicht?
Wir atmen auf, wenn wir hören, dass er keins hinterließ. Doch in der Welt denkt man anders darüber. So können wir verstehen, dass die Denkweise eines Mönches genau umgekehrt von der der Welt ist.

Ein Mönch darf nicht schlecht aussehen, wer auch immer ihn in Augenschein nimmt.
Wie kommt es da, dass manche Bonzen so vornehm tun, und dass Hausfrauen in den Tempeln wohnen?

Die Bonzen von heute sind keine hauslosen Mönche. Sie sind einfach aus einer Strohhütte in eine ziegelgedeckte Hütte umgezogen. So wie ein Bäckerssohn, der umsattelt und ein Krematorium betreibt.

Der Ritualmeister muss bei der Ordinationszeremonie ständig die Robe wechseln. Deshalb sagte einmal einer: "Ein Bonze unterscheidet sich kaum von einer Geisha!" Pass auf, sonst geht es dir selbst noch so.

Die Menschen wollen gern ein Schnäppchen machen. Wo es nicht auf der Straße liegt, klauen sie eben - sie raffen und reißen es mit Gewalt an sich. Doch in Wirklichkeit befinden wir uns im Nebel, solange wir nicht alles loslassen, und können die klare Gestalt der Wahrheit nicht erkennen.

"Hauslosigkeit" bedeutet vollkommenes Loslassen. Es bedeutet, den Gruppenwahn loszulassen. Die Bonzen von heute wollen nur an sich raffen, deshalb taugen sie nichts.

Wenn du die Katze mit Leckereien fütterst, hört sie auf, Mäuse zu fangen. Ein Hund, der verwöhnt wird, hält keine Wacht. Auch der Mensch taugt nicht mehr zur Arbeit, wenn er erst Geld hat und es sich gut gehen lassen kann.

Die Tokugawa-Politik hat die Bonzen für dreihundert Jahre mit Völlerei und warmen Roben im Zaum gehalten, so dass sie schließlich, so wie Wildschweine, die zu gewöhnlichen Schweinen degenerieren, ihre Fangzähne und Klauen verloren, und sich das Knochenmark aussaugen ließen.

Die Buddhisten waren während der Tokugawa-Zeit ganz zufrieden damit, von der Tokugawa-Politik eingespannt zu werden. Dass sie sich selbst nicht als religiöse Menschen verstanden, ist der Grund für den heutigen Niedergang der Buddhalehre.

Der Buddhismus der Tokugawa-Zeit war eine als Religion getarnte Verwaltungsmaschine. Deshalb brach er auch mit einem Mal zusammen, als die Meiji-Zeit mit dem Buddhismus aufräumte.

Dass sich die Bonzen von heute ihrer Mönchstracht schämen, liegt an dem Argwohn, den sie nach der Aufräumung mit dem Buddhismus in der Meiji-Zeit geschöpft haben. Die Welt lacht über diese argwöhnischen Gestalten.

Die Bonzen von heute kämpfen eine verlorene Schlacht. Mit taumelnden Schritten und verkehrt herum gehaltenen Hellebarden ziehen sie sich zurück. "Der geschlagene Krieger erschrickt selbst vor einer Vogelscheuche."

"Ein Held, wer siegreich zurückkehrt. Ein Tor, wer niedergeschlagen zurückkehrt."

Den Bonzen von heute ist es peinlich, Bonzen zu sein. Um sich möglichst wenig als Bonzen zu erkennen zu geben, tragen sie ihre Roben und Kesa nur dann, wenn sie ihrem Geschäft nachgehen. Denn ihre Brötchen können sie sich nur als Bonzen verdienen. Das ist ihr Dilemma. Katholische Pater tragen stets ihr Priestergewand. Sie sind stolz darauf, es zu tragen - ist das nun wiederum gut oder ungut?

Es ist nicht einfach, ein Mönch zu sein, ohne ein Geschäft daraus zu machen. Eigentlich sollte ein Mönch überhaupt nichts mit Geschäften zu tun haben. Denn was könnte dümmer sein, als das Mönchstum als Geschäft zu betreiben?
Ein Mensch muss sich furchtlos auf den Weg nach seinem eigentlichen Ziel machen. Als Buddhist muss er über eine klare Lebenseinstellung verfügen.

Jeder einzelne Tag im Gesellschaftsleben ist eine Prüfung. Das ganze Leben über dürfen wir nicht durchfallen. Das gilt in erster Linie für den Geist, der die leidenden Wesen rettet. Wenn du auch nur einmal wütend wirst, werden sich dir die leidenden Wesen nicht nähern. Wirst du auch nur einmal begierig, werden die leidenden Wesen sich von dir entfernen. An diesem Punkt musst du das gesellschaftliche Bewusstsein gut im Kopf haben.


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