... Kapitel 25 ....... Inhaltsverzeichnis ...


24. An dich, der du sagtst, dass die Bonzen ein bequemes Gewerbe betreiben

Lustig wär's, wenn die Gespenster ihren Spuk trieben, jedesmal wenn der Bonze bei der Beerdigung pfuscht. Doch selbst wenn der Bonze die Beerdigung verpfuscht, spuken die Gespenster nicht, deshalb hängt das Leben der Bonzen in der Schwebe.

Was machen die Bonzen da eigentlich, wenn sie eine Beerdigung halten? Das kommt mir so vor, wie wenn einer mit Platzpatronen schießt, einen Film davon macht, und davon wiederum eine Stillaufnahme.

Radio und Fernseher geben weder Ton noch Bild von sich, wenn sie falsch angeschlossen sind. Wie inkonsequent ist es dagegen bei den Bonzen: Ich sehe nichts als Bonzen, deren Roben ganz durcheinander sind, und die nicht einmal wissen, wie man Zazen sitzt oder Betteln geht.

Die Bonzen versuchen verzweifelt die Buddhalehre mit Lippenbekenntnissen abzufertigen, und die Laien erhoffen sich noch etwas davon, wenn sie die Bonzen ihre Lippenbekenntnisse machen lassen. Wie könnte es etwas mit der Buddhalehre zu tun haben, sich mit auswendig gelernten Lippenbekenntnissen den Lebensunterhalt zu verdienen?

Bonzen sagen gerne über die alten Frauen, für die sie die Sutren lesen: "Die Oma dort sucht Zuflucht bei mir." Sag's nicht so leicht dahin - Idioten sollten besser die Klappe halten!

Die Bonzen von heute sagen, Zazen sei nicht mehr gefragt. Sie sagen, Sawaki sei "abgehoben".

Sowohl vom Kommunismus als auch von der Demokratie aus betrachtet muss der Buddhismus über etwas verfügen, über das sich so leicht nicht hinwegsehen lässt. Und er muss auch über etwas verfügen, das in der Lage ist, dort anzuleiten, wo dem Kommunismus und der Demokratie etwas fehlt. Wenn bloß nicht das, was die Buddhisten alles dazugedichtet haben, so stören würde.

Die Bonzen fragen gerne: "Was wird nur in der Zukunft aus dem Buddhismus werden?"

Aber wer hat denn behauptet, dass der Buddhismus schon am Ende ist? Wer sagt, dass Shakyamuni und Bodhidharma Idioten waren? Sind es nicht bloß die Bonzen, die keinen Sinn für den Weg haben und Idioten sind? Doch weil sich das schlecht sagen lässt, frage ich lieber zurück: "Wie ist es mit deiner Frau und deinen Kindern - glauben sie an dich oder nicht?"

Ein Zenmönch ist einer, der ein freies Leben führt, in dessen Zentrum der Buddhaweg steht.

Die wirkliche Hauslosigkeit besteht darin, das wahre Selbst zu erkennen, das absolut nie beschmutzt werden kann. Das bedeutet, das eigene Leben so zu kreieren, dass es das ganze Universum ausfüllt.

All die ganzen indischen Mythen und chinesischen Mythen - diese ganzen Mythen fortzureißen und nur den nackten Inhalt der Buddhalehre wirklich zu praktizieren, das bedeutet es, ein Leben aus Zen zu führen.

Ehe wir uns versehen, gesellen sich Schaulustige unter die religiösen Menschen.
Wenn Schaulustige auftauchen, stimmen die Dinge nicht mehr ganz: Schaulustige machen die Religion zu einem Schauspiel. Wenn wir nun aber sagen: "Keine Schaulustigen - jedem nur sein eigenes Problem!", dann verwechselt man uns mit dem kleinen Gefährt (Hinayana).

Askese ist nichts als Suche nach Reizen. Die Bonzen von früher waren auch entweder auf diese Reize aus, oder sie waren einfach Taugenichtse. Mit Religion hat das alles nichts zu tun.

"Ich halte mich an's Zölibat!" - Wieviele Masken sich die Menschen doch aufsetzen.

Zauberstückchen sind hier nicht gefragt. Wenn wir nicht aufpassen, wird Religion noch zu einer Zauber-Revue.

"Wo du stehst, steht kein zweiter" - das heißt: "Keine Schaulustigen!" Wo Schaulustige auftauchen, kommen die Dinge plötzlich in den Ausverkauf. Samadhi ist kein Ausverkauf.

Wenn Bonzen nicht aufpassen, fangen sie an Theater zu spielen. Und dazu recht stümperhafte Schmierenkomödien. Früher gab es noch Stars, die sich auf ihr Schauspielerhandwerk verstanden, doch heute findet man die kaum noch. Doch selbst die Stars beim Schauspiel sind doch nur Schauspieler.

Die Würde der Bonzen ist heutzutage nur noch gespielte Würde.

Wenn wir die unübertroffene Weisheit aus den Augen verlieren, fangen wir unter uns Normalbürgern an, unser Können zu vergleichen. Glaub einfach nur an die unübertroffene Weisheit. Lass dich nicht vom Können der Normalbürger an der Nase herumführen.

Wir wissen, was es heißt, nichts Besonderes zu sein, doch wir müssen gut verstehen, dass in der Welt der Religion auch die, die für etwas Besonderes gehalten werden, nichts Besonderes sind.

Wo liegen unsere wirklichen Motive? Wir müssen darüber einmal nachdenken, ohne uns selbst zu beschwindeln. Kommt es nicht vor, dass wir - ehe wir uns versehen - uns zu Schaustellern machen, denen es nur um ihre Show geht? "Nur du selbst kannst es verstehen, andere vermögen es nicht zu erblicken" (Lotus-Sutra). Wenn es uns um Zuschauer geht, hat das nichts mit der Religion des Buddhismus zu tun.

"Öh, ich wollte nur mal irgendwas Gutes machen" - so reden manche daher. "Hast du überhaupt einen Ahnung, was 'etwas Gutes' bedeutet?" Wahrscheinlich glauben sie in ihrem Gruppenwahn, dass etwas "gut" ist, wenn die anderen sie dafür loben.

Die Bonzen von heute wollen etwas für die Gesellschaft tun: Sie geben das Geld der Reichen an die Armen weiter und spielen sich dabei als die Barmherzigen auf.
Mit der Buddhalehre steht das in keinerlei Beziehung.

Die Buddhalehre kannst du nur selbst praktizieren.

Wenn Systeme entstehen, ist das keine Religion mehr, sondern ein Geschäft.

"Gutes tun" kann auch etwas Schlechtes sein. Denn manche tun Gutes nur, um sich damit zu schmücken.

Wenn es um die Lehre geht, geht es mit einem Mal um die Ausweitung der Geschäfte - irgendjemand muss da etwas verwechselt haben.

Wenn in den Haupttempeln eine Schar von Zenmönchen schnell und laut die Hälfte des "Shodoka"-Sutras liest, werden die Pilger von Ehrfurcht ergriffen. Keine Ahnung, was daran so ehrfurchtgebietend ist, doch auf irgendeine Weise wird alles von Ehrfurcht ergriffen.
Die Mönche versammeln sich nur, weil sie ihre Lizenz haben wollen, und der Haupttempel macht Geschäfte, in dem er solche Mönche ansammelt. So werden Geschäfte gemacht, ohne dass dieses Geschäfte-Machen als Geschäfte-Machen erkannt würde.

Dass die Buddhalehre heutzutage runtergekommen ist, bedeutet, dass die Übung runtergekommen ist. Es will nicht in den "Bauch", dass die Übung selbst Erwachen ist.

Warum ist der japanische Buddhismus nichts wert? Weil es in Japan die meisten buddhistischen Schätze gibt, bloß keine Praxis. Und wo es keine Praxis gibt, gibt es auch keine Buddhalehre. Selbst wenn der Keim der Buddhalehre vorhanden ist, kann die Buddhalehre nicht zu wirken beginnen, solange sie nicht durch Übung zum Sprießen gebracht wird.

Es heißt, dass der Buddhismus in Thailand, Burma, Ceylon und China sich streng an die Regeln und Gebote hält, doch die Buddhalehre ist genauso inhaltslos wie beim japanischen Buddhismus. Nur die Gewohnheiten sind andere: Hinayana-Gewohnheiten.


... Kapitel 25 ....... Inhaltsverzeichnis ...