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26. An dich, der du gerne Erbauliches über den Buddhismus hörst

Viele sagen: "Soviel mir der Sawaki auch erzählen mag, es erbaut mich nicht im Allergeringsten!
Das ist nichts weniger als selbstverständlich. Denn ich selbst bin nicht erbaulich. Was die Buddhalehre versucht, ist, uns an den Ort heran zulocken, an dem "nichts dabei" ist.

Sie sagen: "Wenn ich Sawaki reden höre, kühlt sich mein Glaube ab."
Denen werde ich den Glauben demnächst noch ganz kalt machen! Denn solch ein Glaube ist nichts anderes als Aberglaube.
Sie sagen: "Sawakis Gerede weckt keine Glauben in mir."
Es weckt keinen Aberglauben, das ist alles.

Es gibt nichts Komischeres als alte Omas, die nach "Erbauung" suchen. Alles ist für sie "erbaulich", selbst wenn es nur so viel taugt wie Spatzenscheiße. "Erbauung" ist der Grund allen Irrtums: Machen wir uns selbst nicht zum Kriterium dieser "Erbauung"? Wir verlassen uns auf Buddha in der Hoffnung auf Leckerbissen.

Welches Sutra du auch liest, überall ist die Rede davon, für den Weg Leib und Leben hinzugeben: Wie kommt es, dass alle Welt glaubt, Religion bedeute für gute Genesung und gute Geschäfte zu Buddha zu beten?

Wieviel Gutes du auch tun magst - alles was ein Mensch tut ist schlecht. Gibst du etwas her, so denkst du Tag ein Tag aus: "Ich hab's ihm geschenkt!"
Praktizierst du religiöse Übung, so denkst du: "Ich übe, ich übe!"
Tust du Gutes, so vergisst du nie: "Ich tue Gutes, ich tue Gutes!"
Bedeutet das etwa, dass wir lieber Schlechtes tun sollen? Selbst wenn wir Gutes tun, ist es schlecht: Wenn wir Schlechtes tun, ist es noch schlechter.

"Hüte dich davor, Gutes zu tun!" - Wer Gutes tut, glaubt selber Gutes getan zu haben, deshalb ist er schlechter als einer, der Schlechtes tut. Glaub mir, süss ist wer Schlechtes tut. Denn in seinem Innersten wird er ganz klein.
"Heißt das, dass ich Schlechtes tun soll?" - "Selbst das Gute sollst du sein lassen, wieviel mehr noch das Schlechte!"

Wenn du Gutes tust, beginnst du dich aufzuregen über all das Schlechte, das dir plötzlich bei den anderen auffällt. Wenn du Schlechtes tust, bleibst du ruhig, denn dein eigener Arsch juckt dich. Nicht nur wenn es ums Geld geht fangen die Menschen an zu berechnen: In allen Dingen versuchen sie herunter oder herauf zu feilschen. Das liegt daran, dass ihr Körper und Geist nicht abgefallen sind. Erst wenn Körper und Geist abfallen, zählt diese Wirtschaft nichts mehr. Das Abfallen von Körper und Geist bedeutet das Mass- und Grenzenlose.

Wenn einer mal wieder einen tollen Spruch gemacht hat, sage ich: "Da ist der Reisbrei am dampfen!"
Soll heißen: Mit vollem Bauch lässt sich leicht gross daher reden.

Streit, Sex, Gier und Lügen: Mit anderen Worten, ein Mensch.

Du irrst dich, weil du über alles als fleischlicher Mensch nachdenkst.

"Die Weide ist grün, die Blüten sind rot" - Buddhalehre ist das Selbstverständliche. Doch die Menschen stülpen Überflüssiges darüber. Gut, schlecht, nützlich, unnütz, und so weiter.

Lieber als einfach nur Zazen zu sitzen, versuchen die Leute da eine Melodie hereinzubringen. So singen sie ihre buddhistischen Lobgesänge und fühlen sich irgendwie erbaut dabei.

Ehe wir uns versehen sind wir zurück bei menschlichem Glück und Unglück, Liebe und Hass, Gut und Böse.

"Tu Gutes, lass das Schlechte" - Darüber gibt es kein Zweifel, aber: Steht denn fest, was gut und was schlecht ist? Gutes und Schlechtes gehen Hand in Hand.

Zazen ist jenseits von Gut und Böse. Es geht nicht um moralische Fortbildung. Zazen findet da statt, wo Schluss ist mit Kommunismus und Kapitalismus.

Wenn so etwas wie die Leere oder das Nichts "existierte", wäre es nicht die Leere oder das Nichts. "Die Leere erblicken" bedeutet, dass es da nicht einmal eine Leere zu erblicken gibt.

Solange du nicht krank wirst, vergisst du deinen Körper. Auch ich hatte meine Beine vergessen, als sie noch rüstig waren, gleich ob ich ging oder lief. Dass mir die Beine in letzter Zeit so wichtig vorkommen, kommt daher, dass sie krank sind.
Wer gesund ist, arbeitet ohne sich seiner eigenen Gesundheit bewusst zu sein.
Was dich stört sind die Makel - wenn das Geistesding nicht zum Vorschein kommt, ist nichts dabei.

Buddhismus muss die Befreiung lehren, die nichts mit Verträgen und Worten zu tun hat. Es ist das, was nur Buddha und Buddha unter sich weitersagen. Wenn es nicht beide Seiten von vorneherein verstanden haben, ist es nicht zu verstehen.


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