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29. An dich, der du dich freust, wenn man dir Komplimente für die Tiefe deines Glaubens macht

Viele verwechseln eine Art von Rausch mit Glauben. Es gibt da einen der Ehrfurcht ähnlichen Rausch, der nichts als eine Täuschung ist.
Glaube bedeutet umgekehrt vollkommenes Nüchtern-Werden von jeglichem Rausch.

Wenn in der Welt vom Geist des Glaubens die Rede ist, denken die meisten an nicht mehr als dem Buddha den Speichel zu lecken: "Mit den anderen mach' was du willst, aber bitte bitte gib wenigstens mir einen Platz erster Klasse im Paradies!"
Solche Gebete haben mit dem Geist des Glaubens nichts zu tun. "Glaube" bedeutet "klar und rein", "Geist" bedeutet den all-einen Geist der drei Welten. Das bedeutet also das Klar- und Rein-Werden des einen Geistes der drei Welten, "Geist des Glaubens" heißt "sich über den eigenen Geist wirklich klar werden".

Glauben bedeutet klar und rein zu sein. Es bedeutet Gelassensein. Doch da gibt es wieder einmal Leute die es mit Aufgeregtsein verwechseln und mit allen Kräften versuchen sich in Aufregung zu versetzen. Und dann ist es plötzlich gar nicht mehr so einfach, in Aufregung zu geraten: Nun tun sie wenigstens aufgeregt.

In alter Zeit wurden die Menschen in tiefe Ehrfurcht versetzt, wenn sie hörten, dass Amithaba Buddha in der Stunde ihres Todes zu ihnen herabkäme, um sie abzuholen. Wie unterscheidet sich das von einem, der sich von einem Fuchs an der Nase herumführen lässt?

Alle wollen ins Paradies, aber hast du es jemals tatsächlich gesehen? Wenn ja, musst du dich wohl sehr getäuscht haben.

Da gibt's Leute, die wollen so lang wie möglich leben. Als Religion ist ihnen alles recht. Woran wir glauben, spielt für sie keine Rolle. So leben sie ihr Leben ins Blaue hinein.

Wenn ein Kult anfängt, riesige Massen von Anhängern anzuziehen, glaubt plötzlich jeder, dass etwas Wahres daran sein muss.

Die Zahl der Anhänger bestimmt nicht, ob eine Religion gut ist. Wenn es darum geht, wer die grössten Zahlen vorweisen kann, sind es nicht die "Normalbürger", die die meisten Mitglieder haben? Nein, die Bakterien, von denen gibt's noch mehr!

Wird da nicht ein ganzer Haufen von Wahnideen an den Mann gebracht, unter den Etiketten "Glaube", "Satori" und so weiter?

Wir Normalbürger müssen uns aus unserer verkrampften Einstellung herauslösen. Glaube bedeutet Reinheit und Klarheit: Wind und Wellen müssen sich beruhigen.

Glauben bedeutet nicht, für gute Gesundheit und gute Geschäfte oder ein harmonisches Familienleben und das Gedeihen der Kinder zu beten. Glaube wird definiert als rein und klar, mit anderen Worten: Klare Reinheit, in der sich die Trübe gesetzt und die Aufregung gelegt hat.
Nichts anderes als zu voller Besinnung zu kommen.

Glaube darf kein Gerücht aus zweiter Hand sein. Auch Buddha darf kein Gerücht sein. Wenn es nicht um mein Problem in der Realität hier und jetzt geht, hat es mit Glauben nichts zu tun. "Lass uns das mal auf demnächst verschieben" - so lässt sich das Problem nicht abtun. Das Problem ist, ob ich hier und jetzt Buddhas Körper wirklich sehe und seine Lehre wirklich höre.

"Weg" bedeutet nicht, andere zu fragen. Es bedeutet, zu sich selbst zurückzukehren. Wenn du glaubst, dass Amithaba irgendwo dadrüben auf der anderen Seite weilt während du deine Anrufungen herunterleierst, wird er sich irgendwann schliesslich nach Westen zurückziehen, während du nach Osten abgleitest, und so verliert ihr euch aus den Augen.

Da gibt's Kerle die Buddhas Namen anrufen, so als wollten sie ihm mit ihrem gläubigen Herzen den Speichel lecken. Andere Genossen glauben, dass wir Zazen üben um Satori zu bekommen. So lange es sich dabei nur um unsere individuelle Person dreht, hat das mit der Buddhalehre nichts zu tun.

Unsere persönlichen Problemchen sind uninteressant. Das kosmische Ganze ist das Problem, um das es geht. Egal wie gross dein Satori und hoch deine Auszeichnungen sind, ganz gleich wie gemeinnützig und gut du bist, wenn das nichts als deine individuelle Person betrifft, ist es bloss eine Szenerie im Theater der Selbst-Täuschung. "Namu" bedeutet zurückzukehren zu dem, was jenseits der individuellen Person liegt.

Wo Subjekt und Objekt getrennt sind, gibt es keine Buddhalehre.

Selbst das Wort "Buddha" nicht in den Mund zu nehmen, ist Buddhalehre.


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