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3. An dich, der du vollkommen fertig bist vom Ehekrach

Während des Ehekrachs merkst du nicht, dass sich der Streit um eine Illusion dreht. Doch in Zazen erkennst du die Illusion. Deshalb ist es wichtig, das Leben aus Zazen heraus zu betrachten.

Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist nur während des Ehekrachs ein Thema. Wenn sich Mann und Frau gut vertragen, ist keine Rede von Gleichberechtigung.

Was auch immer du denkst: Die Gedanken, die dir jetzt in den Kopf kommen, werden da nicht für Jahrtausende stecken.

Die Frage ist nicht, wer von euch Recht hat. Ihr seht die Dinge einfach in verschiedenen Rahmen.

"Keiner ist für deinen Stress verantwortlich,
du machst dir nur selber Feuer unterm Arsch!" (volkstüliches Lied)
Warum guckt niemand über den Tellerrand des eigenen persönlichen Geistes?

Das Handeln ein und desselben Menschen kann Menschenleben retten und gleichzeitig Zorn erregen. Es ist die selbe Sonne, die am Sylvesterabend unter und am Neujahrsmorgen aufgeht.
"Wenn du die Augen öffnest und den Dharmaleib erkennst, dann siehst du, dass kein Ding wirklich existiert" (Shodoka). Auch ein Nichtsnutz erkennt die Alleinheit, wenn er zu seiner wahren Natur erwacht.

Hör auf zu sein, während du so bleibst, wie du bist:
Stell das Schießen ein. Sitz einfach!

Es beginnt damit, dass wir "ich" sagen: Alles, was danach kommt, ist Illusion.

Alle stellen sich vor, dass ihr "Ich" etwas unveränderliches sei, kurz: Der unbewegliche Mittelpunkt, um den sich alles dreht. Es gab da einmal einen Mann, der sagte: "Seht nur, alles stirbt, bloß ich nicht!"
Inzwischen ist er selbst längst tot.

Dem Gesetz der Kausalität folgend, streckt die Finsternis plötzlich ihr Schlangenhaupt hervor.

Finsternis bedeutet, dass wir die Dinge nicht verstehen. Wenn wir die Dinge nicht verstehen, sollten wir uns am Besten ruhig verhalten, doch stattdessen toben wir wie ein Elefant im Porzellanladen. Das macht alles kompliziert.

"Kaum glaubte ich, dass es mir besser ginge, als mich wieder die Schwermut überfiel.
Ach, was für ein Dämon doch in meinem Herzen haust..."
Die Frage ist nur, was wir mit diesem unserem Herzen anfangen.

Das Leben ist ein einziger Widerspruch: "Hast du gesehen, was der da angestellt hat?"
Dabei hättest du es am Liebsten selbst getan!

Das Leben ist nicht so einfach. Mal ist Krieg und der Himmel brennt, mal hälst du gemütlich deinen Mittagsschlaf am Ofen. Mal arbeitest du die ganze Nacht durch, mal besäufst du dich mit Freunden.
Im Buddhadharma geht es um die Frage, wie wir dieses Leben nach der Lehre Buddhas ausrichten können.

Ihr liebt euch? Aber nicht das ganze Leben: Es gab schon welche, die liebten sich so, dass sie zusammen Selbstmord begingen um im Tod vereint zu sein. Einer von beiden überlebte und verliebte sich kurz darauf von Neuem... Die Menschen sind bemitleidenswert...

Schönheit ist keine Garantie für ein glückliches Leben. Eine ist so beliebt bei den Männern, dass sie schon ihr drittes Kind hat, das seinen Vater nicht kennt.

Alles redet von Liebeshochzeiten, aber ist das nicht eine ziemliche Gefühlsduselei? Geht es nicht letztlich doch nur um Penis und Vagina? Warum sagt bloß keiner, dass er sich in eine Vagina verliebt hat?

Schau dir mal das Gesicht eines Köters an, der sich gerade gepaart hat. Mit seltsam leeren Augen blickt er verloren in die Gegend. Genauso ist es auch beim Menschen: Erst macht er sich selbst ganz verrückt, und am Ende ist gar nichts dabei.

Ein Mann, der nichts versteht, heiratet eine Frau, die nichts versteht, und alles sagt: "Herzlichen Glückwunsch!" Das kann ich nun nicht verstehen.

Familie bedeutet den Ort, wo sich Eltern und Kinder, Mann und Frau gegenseitig auf den Geist gehen.

Wenn ein Kind trotzig ist, schimpfen die Eltern: "Du verstehst aber auch überhaupt nichts!"
Doch wie ist es eigentlich mit den Eltern? Verstehen sie denn nicht auch überhaupt nichts? Alles steckt in der Finsternis.

Alles redet von Erziehung, doch wozu werden wir eigentlich erzogen?
Zu Normalbürgern, das ist alles.

Die Kuh ist stolz auf ihren Nasenring. Den Packsattel der Wollust auf den Rücken geschnallt, lässt sie sich an der Nase herumführen und muht dazu.
Seltsam nur, dass sich die Menschen mit Vergnügen das Gleiche gefallen lassen.

Die Menschen, denen vor Freud und Leid, Ärger und Glück das Mundwerk nicht stehen bleiben will, ähneln Kötern, die das Kläffen nicht sein lassen können.

Wenn die Wellen von Freude und Ärger, Leid und Glück zur Ruhe gekommen sind, gibt es nichts Bestimmtes mehr, was wir tun müssten.

Wo auch immer du hinsiehst: Alles Lebendige feilscht um die selben Waren.

Lustiger noch, als sich die Affen im Zoo anzugucken, ist es, die freilaufenden Menschen zu betrachten.


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