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32. An dich, der du sagst, dass dein Leib, so wie er ist, bereits Buddha ist

Ishigawa Goemon sagte: "Selbst wenn ich und der Sand am Meer erschöpft sind, die Keime des Räubertums in der Welt werden sich nie erschöpfen."
Damit besingt er die Räubernatur, die Himmel und Erde vollkommen durchdringt. Und dennoch, solange wir nicht so handeln wie Goemon, werden aus uns keine Räuber.
Auch von der Buddhanatur heißt es, alle Dinge hätten die Buddhanatur - sie durchdringt Himmel und Erde vollkommen, aber solange wir nicht so handeln wie Buddha, werden aus uns keine Buddhas.

Wenn du das Handeln Buddhas, in dem du mit Buddha untrennbar verbunden bist, in die Praxis umsetzt, nur dann bist du Buddha. Wenn du wie ein Idiot handelst, dann bist du auch ein Idiot.

Buddha erscheint in der Lebenseinstellung von jedem einzelnen von uns.

Du sagst: "Dieser Geist ist Buddha - das bedeutet, wenn ich denke, dass ich Buddha bin, dann bin ich auch Buddha."
Habt ihr je so einen Unsinn gehört? Solche Vorwände werden als naturalistische Häresie bezeichnet.
Du magst behaupten, dass ein Streichholz Feuer enthält - solange ich aber nicht weiß, dass ich das Streichholz reiben muss, um es zu entzünden, und es dann nicht auch tatsächlich reibe, solange werde ich kein Feuer haben. Man kann nicht sagen, dass das Streichholz selbst Feuer ist.
"Wird es nicht ausgeübt, tritt es nicht in Erscheinung. Wird es nicht bezeugt, kann man es nicht empfangen."
Übung ist Verwirklichung.

Selbst wenn ich hier einen Petroleum-Ofen hätte, solange ich ihn nicht mit einem Streichholz anzuende, wird es nicht warm werden. Selbst wenn wir sagen, dass alle bereits die Buddhanatur haben - haben allein hilft uns nichts. Wir müssen das Feuer der Buddhanatur entflammen.
Es heißt auch: "Die Natur des Windes ist ewig und überall, kein Ort den sie nicht durchdringt."
Selbst wenn die Natur des Windes Himmel und Erde durchdringt, solange wir keinen Fächer benutzen, haben wir hier keinen Wind.
"Ursache und Wirkung zu jeder Zeit liegen vollkommen still und klar vor uns."
In alter Zeit trat einmal ein Gläubiger vor den Mönch Gakushin und fragte ihn:"
Ich fühle mich im Moment nicht danach, Buddhas Namen anzurufen - sollte ich nicht lieber warten, bis ich Lust dazu bekomme?"
Gakushins Antwort war: "Wenn so ein Taugenichts wie du wartete, bis er sich danach fühlt, Buddhas Namen anzurufen, könnte er ja sein ganzes Leben lang warten. Ob du Lust dazu hast oder nicht - ruf einfach Buddhas Namen an!"
Und er fügte noch ein Gedicht dazu:
"Nur wenn du mit ganzem Herzen
im tiefen Herbstnebel die Leine ziehst
klingt die Schelle im Reisfeld am Berge"
Buddhaweg bedeutet Praxis.

Nur weil wir Zazen üben, gibt es keinen Unterschied zwischen Geist, Buddha und allen Wesen.

Buddhastatuen und Buddhagemälde sind keine Buddhas. Wenn wir Buddhastatuen und -gemälde für Buddhas erklären, machen wir Götzenverehrung.
So ist es aber nicht. Im Buddhismus ist die gestaltlose Haltung jedes einzelnen Dinges Buddha. Meine gestaltlose Haltung, mein Zazen und mein Kesa, sind Buddha. Einfach Essen, einfach Arbeiten, einfach Kochen, all das ist Buddha.

Sich mit Leib und Seele in die Buddhalehre werfen - das bedeutet es, sich beständig der ertraglosen Übung zu widmen.
Nach nichts zu verlangen, vor nichts zu fliehen - das ist beständige ertraglose Übung.

Buddha nennt man einen, der das Handeln Buddhas praktiziert.

"Bewegung ist Zen, Sitzen ist Zen, in Reden und Schweigen, Arbeit und Ruhe findet der Körper Frieden."
Weil es ein Buddha sagt, ist es die Wahrheit. Doch wenn es ein Normalbürger von sich gibt, führt es zu katastrophalen Missverständnissen.

"Irre und Erwachen, gewöhnliche Menschen und Buddhas sind eins."
Wenn das heißen soll, "mit dem Leib, so wie er ist", dann sind Normalbürger mit ihrem Leib, so wie er ist, schliesslich doch nichts als Normalbürger.
Aber es ist anders. "Der Körper, in dem der Normalbürger den Normalbürger vergisst, ist - so wie er ist - Buddha."

Wenn die drei Welten als Gestalt der Wahrheit gelehrt werden, gibt es kein Fehl in den drei Welten. Werden die drei Welten als ein Haus im Brand gelehrt, so gibt es nichts als Fehl in der Welt.

Eben weil man es vom Buddhaweg aus betrachtet, erscheint es als Buddhaweg.

Nicht konditionierte Gefühle mit konditionierten Gefühlen in Bewegung bringen - von Buddha angenommen zu werden, bedeutet Praxis des Buddhaweges.

Wir müssen Zeit und Raum Buddhas gut verstehen - es ist nicht so, wie der Normalbürger die Dinge sieht und hört. Es passt nicht in den Normalbürger-Rahmen.

Wenn du die Seite des Menschen nicht einmal von der anderen Seite aus neu betrachtest, kannst du nicht wirklich verstehen.

Selbst wenn man Shakyamuni Buddha in der Realität sehen könnte, es wäre bedeutungslos, wenn ein Normalbürger ihn sieht. "Nur Buddha und Buddha" - man muss Buddha mit den Augen eines Buddhas betrachten.

Ein Buddha, den sich die Menschen ausgedacht haben, ist kein Buddha.

Dass Buddha unbegrenzt ist, bedeutet, dass er keine feste Gestalt hat.
Es ist nicht das Maß seiner Grösse.

Buddha ist scharfsinnig, heiter und frei.
Dabei glauben heute viele in der Welt, Buddha sei düster und unglückverheißend.

Samadhi bedeutet die Reinheit und Klarheit der eigenen Natur. Es ist die Transparenz des Raumes, der Normalbürger mit Buddha verbindet.

Im Undenken gibt es weder Normalbürger noch Buddhas. Wahre Übung, wahre Praxis des Undenkens ist nichts anderes als Zazen.

Was den unteilbaren Rest heimlich aufschluckt ist Undenken, ist Buddhalehre. Deshalb ist es klar, dass die Buddhalehre unzufriedenstellend ist. "Unzufriedenstellend" - das bedeutet, dass die Normalbürger-Ansprüche nicht zufriedengestellt sind.

Wenn Normalbürger den Buddhaweg üben und Zazen praktizieren ist es selbstverständlich, dass solch eine Praxis nicht rein ist. Doch "so wie der Reiher, der nur reinen Geschmack am Wasser hat, das er trinkt, und so wie die Bienen, die dem Duft der Blüten nichts anhaben, deren Pollen sie Sammeln", so vervollkommenen sich die Verdienste des Zazen, ohne das es ein Normalbürger auch im Geringsten vermöge, dem Zazen Schaden zuzufügen.

Manche glauben, sich selbst als Normalbürger zu definieren, um sich dann gemäss irgendwelcher Moralunterrichts-Klauseln weiterzubilden, entspräche der Buddhalehre.
Weit gefehlt! Der Grundsatz der Buddhalehre lautet, dass wir alle Buddhas sind. Wie könnten wir allerdings erwarten, dass jemandes Geist, der noch nicht zum Erwachen aufgebrochener Geist ist, je - so wie er ist - Buddha sein könnte.


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