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33. An dich, der du dich so sehr an deinen ruhigen Geist klammerst, dass du dabei ganz unruhig wirst

Die Buddhalehre ist masslos und unbegrenzt - wie könnte sie je dafür geschaffen sein, jemand wie dir in den Rahmen zu passen.

Was du greifst ist begrenzt.

Was du greifst sind sowieso nur Dinge für Normalbürger. Nach Geld greifen, sich an Gesundheit klammern, an Rang und Namen haften, nach Satori greifen - alles, wonach du greifst, wird zum Eigentum für Normalbürger.
Eigentum für Normalbürger loszulassen - das bedeutet es, Buddha zu sein.

Wenn Geistesruhe nur deine persönliche Zufriedenheit bedeutet, hat sie nichts mit der Buddhalehre zu tun.

Die Buddhalehre lehrt Grenzenlosigkeit. Was nicht ausgelotet werden kann, müssen wir ohne Murren empfangen.

Die Buddhalehre ist von grenzenloser Weite. Nur wenn du sie fixierst, schiesst du daneben. Wir reden hier nicht über getrockneten Kabeljau.
Quicklebendige Fische lassen sich nicht greifen.

Wenn du versuchst, die Buddhalehre abzugrenzen, bekommst du Verstopfung.
Du kannst sie nicht abgrenzen, sie ist stets grenzenlos.

Heil dem Buddha, der alle Dinge transzendiert! - Schau nicht drein, als wärst du an einem Nagel hängen geblieben.

Leichte Übung bedeutet nicht, dass es leicht ist für "den Menschen auf dieser Seite". Andere Kraft bedeutet ebenfalls nicht "den Menschen auf dieser Seite".

Nur Buddha und Buddha vermögen es völlig auszuschöpfen - Wer kein Buddha ist, kann die Buddhalehre nicht akzeptieren.

Du bist unruhig, weil du einer Geistesruhe nachjagst, die komplett in Ruhe ist.
Das ist verkehrt. In jedem Augenblick aufmerksam sein im Geist - Grosse Geistesruhe verwirklicht sich nur in der Übung inmitten des unruhigen Geistes.
Grosse Geistesruhe entsteht aus der Wechselwirkung zwischen von ruhigem und unruhigem Geist.

Geistesruhe, die komplett in Ruhe ist, ist nichts als "fertig-gemachte" Geistesruhe. Geistesruhe gibt es nur in der Mitte von Geistes-Unruhe.

Wo Unbefriedigt-Sein als Unbefriedigt-Sein zu den Akten gelegt wird, da herrscht Geistesruhe.
Es ist der Geist eines Tauben, der heimlich lauschend seinen eigenen Fehler erkennt.
Es ist der Geist dessen, der nackt um sein Leben flehend, in Sekundenschnelle stirbt.
Es ist der Geist dessen, der den Bettler, der ihm unnachgiebig am 0rmel zupfend überallhin nachfolgte, plötzlich nicht mehr finden kann.
Es ist der Geist nach der Flut, die den Schönheitssalon guten Glaubens hinwegschwemmt.

Es gibt keine Welt, in der alles stimmt. Und dennoch irren sie alle umher auf der Suche nach einer Welt, in der alles stimmt - was hilft es, umherzuirren? Sich nachts in den Schlaf zu weinen?
Das ist verkehrt - es geht darum, festverankert in der Welt zu sitzen, ohne herumzuirren.

Zufriedenheit bedeutet aufzuhören, nach ihr zu jagen.

So etwas wie Satori bedeutet nicht intellektuelles Begreifen. Es bedeutet unbewegt zu sein, egal was passiert - im Leben, im Tod.
Viele glauben, Geistesruhe bedeute, sich vom Leiden zu befreien, um nur noch Freude zu haben.
Das ist verkehrt. Wie gross unser Leiden auch sein mag, es geht darum, nicht mit Händen und Füssen um sich zu schlagen und Ruhe zu bewahren. Wenn du den Zustand dessen, der keine Geistesruhe hat, beobachten willst, nimm eine Maus in der Falle. Sie zappelt mit Leibeskräften vor sich hin. Der Mensch, der das sieht, wirft sie der Katze zum Frass vor. Die Katze frisst sie mit Vergnügen.
So verstehst du, dass das Zappeln mit Händen und Füssen Kraftverschwendung ist.
Sitz lieber ruhig in Zazen.

Wie könnte ein Mensch je über Geistesruhe verfügen? Das eigentliche Problem ist, was wir mit diesem Menschen anfangen. Was wir mit diesem stinkenden Fleischsack anfangen, dass ist das Problem.

In der Buddhalehre gibt es nicht Zwei, den Normalbürger und den Buddha.
Die "Ruhe des Geistes" sitzt nicht da wie ein Klops.

Die Buddhalehre wird durch Praxis verwirklicht. Sie wird durch den Körper umgesetzt. Das heißt, dass die geeignete Entspannung und Ordnung von Muskeln und Sehnen der Punkt sein muss, um den es beim Zazen geht. Praxis bedeutet, sich in einer Lebenseinstellung zu üben, bei der Zazen der Massstab ist.
Wo diese Praxis geübt wird, wird Geistesruhe vollkommen gegenwärtig. Die Lebenseinstellung selbst muss Praxis sein.
Nur wenn du mit ganzem Herzen
im tiefen Herbstnebel die Leine ziehst
klingt die Schelle im Reisfeld am Berge

Du rufst Buddhas Namen an und willst außerdem noch ins Paradies hinauf - was für ein unnötiger Aufwand. Das Anrufen von Buddhas Namen ist bereits das Hinübergehen ins Paradies, es ist nicht nötig, sich darüberhinaus noch überflüssige Gedanken zu machen. Es ist nicht nötig, Buddhas Namen anzurufen, und sich außerdem noch anzustrengen, ins Paradies zu kommen.
Tokuhon schreibt: "Namu-Amida-Butsu (Ich nehme Zuflucht zu Amithaba Buddha) - allein dies zu sprechen genügt."

Auch für das Anrufen von Buddhas Namen gilt, gleich ob wir die Ruhe des Geistes empfangen oder nicht, dass es wesentlich ist, es "einfach" zu tun.


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