... Kapitel 7 ....... Inhaltsverzeichnis ...


6. An dich, der du den Herrn Premierminister für etwas ganz Besonderes hälst

Alexander der Große, Julius Cäsar und Dschingis Khan waren bloß große Banditen. Stalin oder Hitler stellten selbst Meisterganoven wie Ishikawa Goemon oder Tenichibo in den Schatten. Sie warfen sich zwar groß in Pose, doch letztlich ging es ihnen doch nur darum, wie weit sie mit ihrer Tollkühnheit kommen können, genau wie dem Gauner Kunisada Chuji.
(Anmerkung: Ishikawa Goemon, Tenichibo und Kunisada Chuji sind die Namen von drei Meisterdieben, die in die japanische Geschichte eingingen.)
Seltsam, dass diese Bandenchefs für famose Kerle gehalten werden - von uns Kleinverbrechern.
Zazen geht weit darüber hinaus: Wenn wir Zazen durchdringen, hören wir auf, Diebe zu sein.

Du bist "besser"?
Die Frage ist nur: "Besser" wofür?

Zu jeder Zeit wurde das Volk von den Politikern missbraucht und an der Nase herumgeführt.

Wir tun so, als ob unsere Verschrobenheiten unsere wahre Natur ausmachten.

Ist es nicht klar, dass du ein Dieb bist, wenn du jemandes Eigentum stiehlst? Doch heute scheinen alle zu glauben, dass du nicht schuldig bist, solange du nicht von der Polizei geschnappt, vom Inspektor überführt, vom Richter verurteilt und schließlich in die Zelle gesperrt wirst.
Das gleiche gilt für die korrupten Politiker: Solange sie alle Beweise tilgen können, halten sie sich für tüchtige und erfolgreiche Kerle. Das zeigt, wie weit wir mit dem Gruppenwahn bereits gekommen sind.

Selbst wenn der chinesische Kaiser von vernünftigen Beratern umgeben war, besaß er immer genug "Weisheit", seine Berater an der Leine herumzuführen. Diese Art von "Weisheit" hat mit der Weisheit des Buddhadharma nichts zu tun.

Ishikawa Goemon war nicht der einzige Dieb. Dass einer nur so aus Laune einem anderen mal etwas klaut, bedeutet nicht, dass er deshalb kein Dieb ist. Wer nur aus einer plötzlichen Laune heraus etwas geklaut hat, ist trotzdem ein ganzer Dieb.
Ebenso ist Shakyamuni nicht der einzige Buddha. Jeder, der Buddha das Zazen nachmacht, ist ein ganzer Buddha.

Wir alle entwickeln eigenartige Angewohnheiten. Die Mächtigen und die Lehrer und Intellektuellen, die ihnen zu Diensten sind, geben ihr Bestes, um uns diese Eigenartigkeiten anzuerziehen. So werden wir auf die kompliziertesten Weisen verknotet und verbogen.
Religion bedeutet, diesen Knoten aufzulösen. Das heißt letztendlich: Leere.

Sie alle, die sich da auf ihre politische Macht berufen - was sind sie denn eigentlich mehr, als ein Haufen Möchtegern-Bosse?

Alles versucht sich mit weltlichen Maßstäben breit zu machen - es ist zum Kotzen.

Was das eine System errichtet, wird das andere System zerstören.
Was die eine politische Kraft erreicht, wird die andere rückgängig machen.

Alle Welt versucht, nur die Symptome zu übertünchen - mit Schmiersalbe!

Als Kind sagte man mir, dass ich den hochwürdigen Herrschaften nicht in die Augen gucken solle: "Sonst wirst du blind!". Voller Angst schloss ich den Fensterladen. Heute lasse ich mich von niemandem mehr beieindrucken.

Einer, der vor dem Krieg im Gefängins saß.
Einer, der während des Krieges im Gefängis saß.
Einer, der nach dem Krieg im Gefängins saß.

Den Anweisungen der sich ständig ändernden politischen Macht getreu, muss ein Polizist bei der Erfüllung seiner Pflichten bereit sein, selbst sein Leben aufs Spiel zu setzen: Das ist nicht so einfach. Ich könnte das nicht.

Wer nach seiner wahren Aufgabe sucht, der wird nicht Karriere machen wollen. Wem es darum geht, Minister zu werden, dem fehlt es an der Lebensanschauung.

Abgeordnete und Minister ziehen in den Wahlkampf um um Stimmen zu werben, so sehr sind sie darauf aus, gewählt zu werden - die Idioten! Selbst wenn man mich darum bitten würde, Minister zu werden, würde ich ablehnen: "Für wie dumm haltet ihr mich eigentlich?"

Er hat die Wahl zum Premierminister verloren: Jetzt heult er.
Beim nächsten Mal gewinnt er die Wahl: Da lacht er in die Kamera.
Was unterscheidet die Politiker eigentlich von Kleinkindern? Das ist ja genauso wie mit einem weinenden Kind, dem du ein Bonbon hinstreckst, und schon hat es ein Lachen auf dem verrotzten Gesicht!
Ein bisschen mehr Reife wäre schon ganz gut.

Wer sich auf seinen Lebenslauf beruft, ist ein Versager.

Normalbürger spielen mit ihrem Rang und Namen.

Die meisten leben nicht aus eigener Kraft: Sie lassen sich vom System füttern.

"Er ist ein guter Typ: Zwei Liter Wein trinkt er in einem Zug aus!"
Was "gut" genannt wird, ist meist nichts Besonderes. Jede Clique hat ihre eigenen Maßstäbe, nach denen sie etwas für "gut" oder "nicht so gut" erklärt.

In der Welt wird alles bloß von den Standpunkten der wackeren Normalbürger aus diskutiert.

Die Leute begeistern sich für seltsame Dinge: Du brauchst nur ein wenig aus der Reihe zu tanzen, und alle Welt begeistert sich dafür.

Dass eine Eule auch nachts sieht, ist Karma. Dass ein Fischotter so schnell schwimmt, ist Karma. Dass Füchse tiefe Bauten graben, ist Karma. Dass ein Wal so groß ist, ist Karma. Und dass er der Harpune zum Opfer fällt, ist auch Karma. Wie gut oder schlecht dieses Karma auch sein mag, es ist doch nur Karma, und nichts Besonderes.
Du bist schlau oder dumm, beliebt oder unbeliebt, geschickt oder ungeschickt: Das ist alles Karma, und ob dich das zum Minister oder zum Bettler macht, das ist auch Karma.
Wenn der Kater und der Tiger einen Streit haben und der Tiger gewinnt, bedeutet dass nicht, dass der Tiger etwas Besonderes ist: Es ist Karma.
Dass der Dumme vom Schlauen vorgeschrieben bekommt, was er zu tun und zu sagen hat, ist Karma. Aber das bedeutet nicht, dass der Schlaue besser ist als der Dumme. Es ist bloß Karma. Buddhadharma hat damit nichts zu tun.
Die Menschen jagen ständig ihrem Karma hinterher. Lass dich vom Karma nicht an der Nase herumführen: Siehst du ein schönes Mädchen, lässt du dir den Kopf verdrehen, bekommst du ein Batzen Geld vorgestreckt, lässt du dich über's Ohr hauen - Ständig lässt du dich von halben Sachen an der Nase herumführen.
Sich vom Karma nicht an der Nase herumführen zu lassen, bedeutet, zu handeln, bevor die Zeitrechnung einsetzt.

Manche sind stark, so wie die Löwen. Andere sind lang, so wie die Schlangen. Andere sehen selbst nachts, so wie die Wiesel. Anderen wird ein Kind nach dem anderen gestohlen, bis man ihnen selbst den Hals umdreht, so wie den Hühnern. Manche werden ihr Leben lang ausgenützt, am Ende geschlachtet und gefressen, selbst die Knochen und die Haut noch verwertet, so wie die Kühe. Andere haben stets ihr Plätzchen auf Frauchens Schoß, wo es ihnen gut geht, so wie den Katern.
Das ist alles Karma. Es ist weder gut noch schlecht. Wessen Karma zu gut ist, der fällt am Ende doch nur kopfüber in die Hölle.

Die Ratte ist eifrig bei ihrem Geschäft. Das ist ihr Karma. Wir brauchen ihr dafür keinen Respekt zu zollen: "Ich wünschte, ich wäre auch so fleißig wie du..."
Wir brauchen es auch nicht zu bewundern, wenn einer nachts besser sieht als andere: Selbst ein Kater kann das. Dass ein Mensch nachts nicht so gut sieht, ist nichts weniger als eine Selbstverständlichkeit.

Dass ein Wiesel nachts gut sieht und ein Fischotter schnell schwimmt ist ihr Karma, es macht sie nicht zu etwas Besonderem. Was in der Welt als etwas Besonderes gilt, ist meist nicht mehr als Karma.
Du bist gescheit und bestehst jede Prüfung? Das ist nur Karma. Es bedeutet keineswegs, dass du etwas vom Leben verstanden hättest.

Die Welt urteilt nach seltsamen Maßstäben: Da sieht einer nachts, und schon wird er von allen bewundert. Dabei sieht jede Eule nachts, und jeder Vogel Strauß rennt schnell.

Wenn du ein kleines Kätzchen in einen Tigerkäfig wirfst, wird es erschreckt versuchen, davonzulaufen. Doch der Tiger wird es sich schnappen und mit einem Happen verschlingen. Sowohl das Kätzchen als auch der Tiger verkörpern die Schwachstellen von uns Lebewesen.
Nur Saigyos silberner Katze wäre es wohl besser ergangen.

Was könnte langweiliger sein, als mit seinen Fähigkeiten anzugeben? Fähigkeiten sind nur relativ, sie sind keinen Dreck wert. Was jenseits deiner Fähigkeiten liegt, ist das, worauf es ankommt.

Was für ein unangenehmer Kerl dieser Tokugawa Ieyasu doch ist: Nicht ein Rest von Männlichkeit! Ich möchte nicht so ein wie er. Falls Ieyasu in Mode käme und alle so würden wie er, bestünde die Welt nur noch aus falschen Fuffzigern.
(Anmerkung: Tokugawa Ieyasu (1542-1616) ist der Name des Shoguns, der siegreich aus den Kaempfen des japanischen Mittelalters davonzog und die Tokugawa-Ära (1600-1868) einleitete. Die unterschiedlichen Charaktere von Tokugawa Ieyasu und seinen Vorgängern bei dem Versuch, Japan politisch zu vereinigen, Oda Nobunaga (1534-1582), der unter anderem auf brutale Weise das Zentrum des Tendai-Buddhismus aus dem Hiei-Berg zerstörte, und Toyotomi Hideyoshi (1536-1598), der die Burg in Osaka errichtete und als die wichtigste Gestalt in der japanischen Geschichte angesehen wird, werden in der folgenden fiktiven Geschichte ausgedrückt: Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu wollten gemeinsam das Lied einer Nachtigall geniessen, doch die Nachtigall wollte nicht singen. Da sagte Nobunaga: "Wenn sie nicht singen will, werde ich sie töten!" Hideyoshi meinte: "Ich werde sie schon zum singen bringen." Darauf Ieyasu: "Lasst uns warten, bis sie singt." Im Kampf um die Macht in Japan zeigt er die meiste Geduld, was von vielen als schlau, oder wie in der obigen Geschichte als ein Zeichen besonderer Reife gewertet wird, von Sawaki Roshi hier aber als unmännlich und gemein betrachtet wird.)

In der Geschichte wurden, angefangen mit der Burg in Osaka, viele Burgen errichtet, die für uneinnehmbar galten. Doch am Ende gingen sie dann doch alle in ihren Burgen zugrunde: Wie dumm waren sie eigentlich?
Tokugawa Ieyasu wird ein schlauer Fuchs genannt. Er hat es geschickt angestellt. Doch hat seine Herrschaft ewig gewährt? Nein, am Ende war auch er nur ein Schafskopf.

Wenn du dir die Helden in Ost und West, Vergangenheit und Gegenwart ansiehst, kannst du klar erkennen, dass sich Starke wie Schwache nur abstrampeln, um letztendlich zu krepieren. Sie alle geben ihre gesamte Kraft, um sich abzustrampeln und in Schuld zu verstricken.

Alles Lebendige ist blind für den Dharma: Das gilt nicht nur für Rocker und Rowdys. Blind für den Dharma geborene Kinder werden von blinden Eltern erzogen, von blinden Lehrern ausgebildet und von Politkern, die blind für den Dharma sind, an der Leine herumgeführt - wie könnte da irgend jemand nicht blind für den Dharma sein.

Früher gab es einmal einen Grössenwahnsinnigen im Krankenhaus von Sugamo, der sich "Ashiwara Shogun" nannte. Er hängte sich einen Orden aus Pappe um den Hals und gab denen, die ihm begegneten, würdevolle Worte mit auf den Weg.
Jetzt, da der Krieg vorbei ist, sehen wir klar, dass das, was die Militärs getrieben haben, sich kein bisschen davon unterscheidet. Und nun wollen sie schon wieder Orden einführen...

Nach dem Sieg im Japanisch-Russischen Krieg glaubten wir Kolonien gewonnen zu haben. Doch was ist daraus geworden? Nach der Niederlage im zweiten Weltkrieg haben wir festgestellt, dass wir uns nur den Zorn der Russen eingebrockt hatten.

Alles redet von Treue zum Vaterland, die Frage ist nur, in welche Richtung das führt. Auch ich bin vollen Ernstes in den Japanisch-Russischen Krieg gezogen, doch nach der Niederlage in diesem Krieg sehe ich ein, dass wir das, was wir da getan haben, besser seingelassen hätten. Überhaupt ist es besser, von vornherein keine Kriege zu führen.

Davon, ob ein einziger Stalin geboren wird oder nicht, hängt das Leben und Sterben vieler Menschen ab.
Ob ein einziger Mensch geboren wird oder nicht, macht einen riesigen Unterschied. Deshalb bedeutet es so viel, dass der eine Mensch Shakyamuni auf diese Welt kam.

Der Mensch ist gut so wie er ursprünglich ist, doch leider gleitet er in die falsche Richtung ab. Das liegt daran, dass er einem falschen Vorbild folgt.
Die Sokagakkai ("Werte schaffende Gesellschaft" - neue japanische Sekte) verspricht dir Glück, doch woraus soll dieses Glück bestehen? Daraus, dass du Geld verdienst! Doch was hat Geld schon mit Glück zu tun? Shakyamuni verzichtete auf Schloss und Thron, um als Mönch betteln zu gehen.
Illusion bedeutet, sich von Glück und Unglück aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen.

Jedermanns Karma ist verschieden. Wichtig ist die Tatsache, dass alle auf gleiche Weise von Buddha vorangezogen werden. Das Abwerfen von Körper und Geist bedeutet, damit aufzuhören, sich selbst abzustrampeln und stattdessen auf Buddha zu vertrauen und sich von Buddha vorwärts ziehen zu lassen.


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