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7. An dich, der du deine Rivalen in den Schatten stellen möchtest

Wir fragen uns oft, wer hier eigentlich der "Bessere" sei. Sind wir denn nicht alle aus dem selben Lehmklumpen gemacht?

Alle Menschen sollten besser festverankert an dem Ort sitzen, an dem es keine "Besseren" und "Schlechteren" gibt.

Das ganze Leben über bist du ganz aus dem Häuschen, weil du es für selbstverständlich hälst, dass es "dich" und "die anderen" gibt: Du trägst dick auf, um aus der Menge herauszuragen. Doch in Wirklichkeit gibt es weder "dich" noch "die anderen". Aber das wirst du erst verstehen, wenn du stirbst.

Buddhadharma bedeutet Natlosigkeit.
Welche Nat verläuft zwischen "dir" und "mir"? Irgendwann fangen wir alle an, so zu tun, als ob eine Nat Freund und Feind trennt. Wenn wir uns zu sehr daran gewöhnen, glauben wir noch, dass diese Nat wirklich existiert.

Arm und reich, wichtig und unwichtig - das existiert alles nicht. Das ist nur das Glitzern auf den Wellen.
Doch da gibt es Kerle, die verfluchen Buddha, weil sie selbst im Unglück stecken oder weil ein anderer mehr Glück hat als sie selbst.

Glück und Unglück, Wichtige und Unwichtige, Liebe und Hass - alle Welt macht darum ein Theater.
Die Welt, in der alles gleich ist: Das ist die Welt des Undenkens.

Es gibt nichts in der Welt, über das wir uns den Kopf oder das Herz zerbrechen müssten. Wenn erst einmal genau feststeht, dass unsere irren Gedanken und Unterscheidungen für überhaupt nichts gut sind.

Als der Herr Vorsitzende einmal krank war, übersprang ihn ein Untergebener auf der Karriereleiter: Er war gerade auf dem Weg zur Besserung, doch da brach sein Fieber von Neuem aus. Wegen so etwas muss man doch nicht gleich Fieber bekommen...

Du sagst: "Ich werd's dir schon zeigen!"
Dabei weißt du noch nicht einmal, wie lange du leben wirst. Hast du denn überhaupt nichts anderes vor?

Im Westen heißt es, dass der Mensch des Menschen Wolf sei. Der erste Schritt der Religion muss darin bestehen, dass die Wölfe aufhören, aneinander herumzubeißen.

Was wir seit Kinderszeiten gelernt haben, ist nicht mehr als wichtig zu tun. Die Welt nennt das: "Bildung".
Und worum bemühen wir uns später im Leben? Wir kämpfen wie die Dämonen, ficken wie die Tiere und fressen wie die Hungergeister. Und das ist alles.

Die ganze Welt schwankt auf wackligen Beinen. Die anderen umstoßen, um selbst voranzukommen: Im Buddhadharma darfst du nicht so unfair sein. Buddhadharma bedeutet, im Misserfolg Erfolg zu haben. Der Geist des Buddhadharma ist, für "Äonen in Zazen zu sitzen, ohne den Buddhaweg zu erlangen" (Lotussutra).

Die Menschen machen alle ein verschlafenes Gesicht, wenn kein Streit oder Wettbewerb stattfindet. Ständig wollen sie um die Wette galoppieren - ist das denn hier ein Pferderennen? Oder sie schwimmen wie die Fischotter, jeder will eine Nase voraus sein. Am Ende zanken sie sich um ein Wollknäull, wie kleine Kätzchen...

Wo es nicht um Sieg oder Niederlage, Liebe oder Hass, Reichtum oder Armut geht, da machen die Menschen ein verschlafenes Gesicht.

Im Buddhadharma geht es nicht um Sieg oder Niederlage, Liebe oder Hass.

Manche Kerle tun sich hervor mit ihrem "Satori". Dabei ist es doch klar, dass etwas, womit du dich hervortun kannst, nichts mit Satori zu tun hat.


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