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9. An dich, der du deinem Chef am Liebsten dein Kündigungsschreiben um die Ohren hauen möchtest

Als Mensch kannst du in jede beliebige Richtung voranschreiten.

Unter den menschlichen Tätigkeiten sind die am wichtigsten, die sich kein zweites Mal wiederholen lassen. Was sich wiederholen lässt, überlasse lieber den Robotern.

Das Leben verläuft nicht auf Schienen.

Das Lied eines Vogels kennt weder Dur noch Moll. Bodhidharmas Lehre passt auf kein Notenpapier.
Buddhadharma ist weit und unbegrenzt, wenn du versuchst, ihn festzumachen, gehst du fehl. Es ist kein getrockneter Kabeljau. Lebendiger Fisch hat keine feste Form.

Im Soldaten-Handbuch steht, dass man im Krieg auf tausend verschiedene Möglichkeiten vorbereitet sein muss. Das gilt nicht nur für den Krieg: Auch für das Leben gibt es keine Schablone.
Wenn es so etwas wie eine Schablone für das Leben gäbe, wären wir gemessen daran wahrscheinlich alle Versager. Auch bei Gerichtsprozessen gilt, dass wir auf der Hut sein müssen, wenn ein Prozess nach Schablone verläuft.

"Die wilden Gänse hinterlassen keine Spuren,
doch wohin sie auch fliegen,
sie vergessen niemals ihren Weg." (Dogen Zenji)
Auf dem Weg der Vögel gibt es keine Fußspuren. Das unterscheidet ihn von dem einer Dampflokomotive, die auf Schienen fährt. Oder auch vom Gang eines Ochsen.

Leben wir das Leben nicht von Augenblick zu Augenblick? Wie könnten wir da das Leben analysieren, systematisieren und in Schubladen verstauen?

Das Traurige am Menschen ist, dass er nicht einen einzigen Schritt aus seinen Gewohnheiten herauskommt.

Pfuscher tun alles nach Handbuch.

Wir lassen uns ständig von den Details ablenken, und so verlieren wir das Ganze aus den Augen: Wir kaufen uns seltsame Sachen, die wir gar nicht haben wollen, nur in der Hoffnung, etwas mit dem Los zu gewinnen, das wir umsonst dazubekommen.

Eigentlich bedeutet Studium, Einblick in das Leben zu gewinnen. Seit der Meiji-Periode (1868 bis 1912) ist daraus eine Qualifikation für das Berufsleben geworden.

Soviel du in diesem Leben auch bewerkstelligst, du kannst nichts davon vor dem letzten Gericht präsentieren: Du stirbst nackt.

Sind das Gute und Schlechte, Wahre und Falsche in der Welt nicht doch eins wie das andere?

Als der Hojo-Klan die Chihaya-Burg von Kusunoki Masashige bestümte, vielen selbst auf der Seite der Hojos einige. Sie nannten das einen "ruhmvollen Tod". Deshalb gibt es auch Gedichte wie das folgende:
"Wenn du selbst für den Ruhm bereit bist, dein Leben wegzuwerfen,
wie könnte dir da dein Leib zu schade sein, ihn für den Dharma zu opfern?"
(Anmerkung: Am Ende der Kamakura-Periode (1185 bis 1333)organisierte der japanische Kaiser Godaigo eine Armee, die gegen das Shogunat der Hojos in Kamakura kämpfte und der auch der für seine Loyalität berühmte Kusunoki Masashige angehörte. Die Armee stürzte das Shogunat, doch Kusunoki unterlag einer Überzahl der als Rebellen angesehenen Hojo-Kriegern in der Schlacht um das Chihaya-Schloss.)

Letztendlich bleibt dir nichts übrig als loszulassen.

Du musst auf sicheren Füßen stehen - aus welcher Richtung der Wind auch wehen mag.

Versteht es sich nicht von selbst, dass das größte Glück darin besteht, zu tun, was du tun musst?

Die Zeit deines Lebens nicht zu verschwenden bedeutet zur rechten Zeit am rechten Ort zu sitzen - den genauen Zeitpunkt nicht zu verfehlen.

Dein Leben sollte nicht aus einer Niederlage nach der anderen bestehen. Ständig auf der Flucht, bis dir das letzte Versteck ausgeht, in das du dich zurückziehen könntest.
"Ich bin ein Müßiggänger, der sich das ganze Universum zu eigen gemacht hat!(Einer, der das kosmische Selbst, das sich in keine Relationen setzen lässt, in der Realität auslebt)" (Daichi Zenji)
Das ist auch eine Lebensweise.

"An diesen Punkt gelangt, kann ich die Welt endlich hinter mir zurücklassen!" - Wenn du so weit vordringst, wird das zur Ursache für den Aufbruch ins Mönchsleben werden. Es befähigt dich zum Zazen.

Auf nichts ist Verlass. Der Wert der Dinge ändert sich. Diese Einsicht bewegte Shakyamuni, auf den Königstitel zu verzichten, seine Frau und seinen Sohn zu verlassen und Mönch zu werden.


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